
In Gefahr sind nicht nur die friedlichen Demonstranten, die ein Ende der Mubarak-Ära einläuten wollen, sondern auch die vielen internationalen Journalisten. Die meisten Pressevertreter sind in Hotels direkt am Tahrirplatz untergebracht – davon gibt es drei um den Platz herum. Kaum ein Berichterstatter traut sich mehr aus seinem Hotelzimmer heraus. Schon am Mittwoch berichteten RTL-Reporterin Antonia Rados und ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg, dass die Stimmung im Land deutlich umgeschlagen sei.
Regierungsnahe beäugten die Journalisten äußerst misstrauisch, teilweise wurde den deutschen Teams vorgeworfen sie kämen vom israelischen Fernsehen. Nur mit Mühe und Not konnten die erfahrenen Krisenreporter die aufgebrachte Menge beruhigen. Seit Donnerstagmorgen sind Dreharbeiten in Kairo hingegen gar nicht mehr möglich. Für N24 und die ProSiebenSat.1-Gruppe ist der erfahrene Journalist Steffen Schwarzkopf direkt vor Ort. In einer Live-Schalte berichtete er, wie gefährlich die Situation für internationale Reporter mittlerweile geworden ist.

ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg meldete sich schon am Mittwochabend nur noch aus seinem Hotelzimmer; er berichtete direkt von seinem Balkon aus, musste die Live-Schalte aber abbrechen, nachdem sein Kameramann mit einem Laserstrahl angeleuchtet wurde. Anhänger der Regierungspartei versuchen so Journalisten einzuschüchtern. Eine Reporterin des ZDF und der New York Times wurde zwischenzeitlich sogar verhaftet, nach einem rund 20-stündigen Aufenthalt im Gefängnis aber wieder freigelassen, berichtet das ZDF am Donnerstag. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Live-Bilder aus Ägypten, meist kommen sie von fest installierten Kameras. Westliche Teams können keine eigenen Berichte mehr drehen. „Man kann sich vorstellen, wie man hier noch arbeiten kann; nämlich gar nicht“, resümierte Steffen Schwarzkopf am Donnerstagnachmittag. Seinem Team seien sämtliche Kameras abgenommen worden, sagte er. Zugeschaltet war er im N24-Programm deshalb nur noch via Webcam.
Dass Journalisten sich auf dem Tahrir-Platz einen Eindruck vom Geschehen machen, sei unmöglich, schildert er. Vor dem Hotel hätte sich eine Meute wütender Leute postiert. Die Journalisten befürchten, von ihnen zusammengeschlagen zu werden, sollten sie ihr Zimmer verlassen. „Das Schlimme ist“, sagt Schwarzkopff, „man weiß nicht, wer hier gut und wer böse ist“.