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Kurz nachdem die diesjährigen US-Reichweiten der 90. Oscar-Gala veröffentlicht wurden, meldete sich der altgediente TV-Partner der Filmakademie zu Wort. Der Fernsehsender ABC, der die Oscars seit 1976 Jahr für Jahr zeigt und dessen aktueller Vertrag mit der Academy noch bis 2028 läuft, war über die niedrigen Zahlen erbost – gegenüber 2017 ging es um 19 Prozent bergab. Das Network teilte den Verantwortlichen hinter dem bekanntesten Filmpreis der Welt daher kaltschnäuzig mit: "Euch droht die Irrelevanz."
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Die Academy gab weitestgehend nach: Ab 2019 wird die Gala nur 180 Minuten dauern und zu diesem Zwecke einige Preise in die Werbepausen delegieren, um deren Vergabe in stark gestraffter Form als Einspieler in die Liveshow einzupflegen. Und tatsächlich soll Massenunterhaltung ab sofort eine größere Rolle bei den Oscars spielen. Statt der Kategorie 'Bester Blockbuster' gibt es allerdings einen Award für 'herausragende Leistung im populären Film'. Nähere Erläuterungen zu dieser Kategorie werden noch folgen.
Dies ist aus allerlei Gründen erschütternd. Zunächst einmal sollte sich ein übertragender Fernsehsender im Regelfall allein um die Präsentation einer etablierten Preisverleihung kümmern, nicht aber darum, wer und was dort ausgezeichnet wird. ABC hat sich darum zu sorgen, dass die Oscars seit Hugh Jackmans Moderation im Jahr 2009 nie wieder derart unterhaltsam und zugleich edel-pompös wirkten wie unter dem Musicalstar und Wolverine-Darsteller. Eine Kürzung der Oscars ist nicht zwingend nötig: Es ist der bekannteste Filmpreis der Welt und er wird einmal im Jahr verliehen, dafür sollte auch mal knapp vier Stunden Zeit vorhanden sein. Aber wenn, dann darf nicht am Grund gesägt werden, weshalb die Academy Awards überhaupt stattfinden.
Wenn etwas über Bord gehen kann, dann die Angewohnheit der Oscar-Veranstalter, im Mittelteil Leute anzumoderieren, die Leute anmoderieren, die eine Laudatio halten oder einen Filmtrailer ankündigen. Und über die Einführung einer Preiskategorie sollte ABC schon gar nichts zu bestimmen haben – zumal ein Schelm denken könnte, dass der zum Disney-Konzern zählende Sender mit seinem Wunsch nach einem Blockbuster-Oscar vielleicht ganz anderes im Schilde führt …
Zudem ist die Drohung, die Oscars würden irrelevant werden, arg übertrieben. Die 90. Oscars brachten es in den USA noch immer auf die 2,3-fache Reichweite der jüngsten Emmys – und die profitieren vom PeakTV-Hype. Darüber hinaus erreichen die Oscars ein größeres internationales Publikum als die Emmys. Trotzdem kann die Academy das Gemecker von ABC nicht völlig ausblenden. Denn selbst wenn 26,5 Millionen US-Fernsehende noch immer eine stattliche Hausnummer sind, verzeichnen die Academy Awards tatsächlich die größten prozentualen Verluste unter den wichtigen US-Preisverleihungen. Und sollten die irgendwann zur TV-Verbannung der Oscars führen, wären sie dann sehr wohl irrelevant – denn wie will man der größte Award der Medienbranche sein, wenn ihn keine Menschenseele sehen kann?
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Es gibt 5 Kommentare zum Artikel
16.08.2018 14:29 Uhr 1
16.08.2018 20:42 Uhr 2
Ich weiß. Ohne mich hätte der Kollege den Artikel niemals so schreiben können, das siehst du ganz richtig.
16.08.2018 21:34 Uhr 3
17.08.2018 17:34 Uhr 4
17.08.2018 20:28 Uhr 5
Ok, alles klar, ich werde mich hüten, hier jemanden auf die Füße zu treten....