«The Hunger Games» vs. «Catching Fire»
- Budget: 78 Mio. Dollar vs. 130 Mio. Dollar
- Einnahmen in Nordamerika: 408,01 Mio. Dollar vs. 424,67 Mio. Dollar
- Einnahmen weltweit: 691,25 Mio. Dollar vs. 864,57 Mio. Dollar
- Kinobesucher in Deutschland: 2,11 Mio. vs. 3,71 Mio.
Die Aufständischen jedoch wollen keine Zeit verlieren und warten daher gar nicht erst, bis Katniss das Geschehen verdaut und sich an ihr neues Zuhause im unterirdischen, lange zerstört geglaubten Distrikt 13 gewöhnt hat. Vor allem Medienstratege Plutarch Heavensbee (Philipp Seymour Hoffman) und Anführerin Alma Coin (Julianne Moore) möchten das Kapitol möglichst zeitnah am schockierenden Ausgang der kürzlich abgehaltenen Hungerspiele stürzen – mit Katniss als personifiziertes Symbol der Rebellion. Ob sie dazu bereit ist, diese schwere und gefährliche Bürde zu tragen, scheint niemanden zu interessieren …
Endlich wieder eine Saga, die mit ihren Aufgaben wächst

- Lionsgate
Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) erfahren musste, dass ihr Heimat-Distrikt 12 vollständig zerstört wurde, begibt sie sich dorthin, um die Ausmaße selbst in Augenschein zu nehmen.
Die kreativen Köpfe hinter den betroffenen Reihen begründen diesen Schritt stets damit, den Fans der Buchvorlage zum Abschied einen möglichst originalgetreuen und detaillierten Film bieten zu wollen. Jedoch zweifelt wohl niemand daran, dass es den Studiobossen allein um die zusätzliche Gelegenheit geht, das Publikum zur Kasse zu bitten. Hinzu kommt, dass sich einige Bücher schlicht nicht für eine ausführliche Verfilmung eignen, weshalb mehrteilige Romanadaptionen leicht zur Redundanz neigen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, und obwohl Francis Lawrences verklausuliert betitelter «Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil I» nach dem turbulenten Schluss des Vorgängers mehrere Gänge zurückschaltet, zählt der dritte «Panem»-Teil zu diesen löblichen Fällen.
Hinter den Kulissen einer Rebellion
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Der Gedanke war, dass in Distrikt 13 eine eigene, isolierte Zivilisation entstanden ist. Sie sind völlig vom Kapitol abgeschnitten, und mit der Zeit wurde die alte Technologie durch neue ergänzt. Deshalb finden wir jetzt altmodische Schaltknöpfe neben Hightech. Dieser sonderbare Mix war voll beabsichtigt.
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Produktionsdesigner Philip Messina
Mit diesem geänderten thematischen Schwerpunkt kommt auch – schon wieder – eine neue Ästhetik daher: Produktionsgestalter Philip Messina und das Kostümdesigner-Duo Kurt Swanson & Bart Mueller setzen nahezu ausnahmslos auf dunkle Erdtöne und schlichtes Grau. Bei aller Trübseligkeit ist die Ästhetik dieser Lionsgate- und Color-Force-Produktion die bisher eindrücklichste im Franchise, was der dichten Atmosphäre und Weltbildung zugutekommt. Ob der hoch funktionale, beengende Distrikt 13, dessen Gestaltung an das verwinkelte Innere von Atomkraftwerken der 1960er und 1970er erinnert, oder die verwüsteten Überreste anderer Distrikte, die Katniss besucht: Die gesamte Filmwelt wirkt authentisch, verlebt und lässt unentwegt das Gefühl aufkommen, sich als Zuschauer in einem vor dem Umbruch stehenden, zerrütteten Staat zu befinden.

Darüber hinaus setzen die Verantwortlichen den in «Catching Fire» begonnen Ansatz fort, die zentrale Auseinandersetzung der niederen Distrikte gegen ihre hedonistischen Herrscher differenziert zu betrachten: Da in «Mockingjay» kein Sieg der Rebellen ohne herbe Verluste geschieht, die Franchis Lawrence auch drastischer zeigt als noch Gary Ross die Hungerspiel-Opfer in Teil eins, und Katniss von den Rebellen allein ob ihrer Funktion respektiert wird, fehlt der «Panem»-Reihe die in Hollywood sonst so verbreitete Glorifizierung militärischer Gewalt. Zwar lässt der in anspannender Gemächlichkeit erzählte Film keinen Zweifel daran, dass Snows Regentschaft gestürzt werden muss, gleichwohl werden die unschuldigen Opfer des Bürgerkriegs und die steten Gefahren eines blutigen Umsturzes klar. Recht anspruchsvoller Stoff, erst recht für eine primär an Jugendliche gerichtete Filmreihe.
Neue und altbekannte Akteure, die das Geschehen im Kontext der Reihe verankern

In seinen wenigen Leinwandminuten zeigt Peeta-Darsteller Josh Hutcherson einen graduellen Wandel seiner Figur, was ihm ermöglicht, durch das gebotene Material über sein in den ersten «Panem»-Teilen geliefertes, bestenfalls annehmbares Niveau hinaus zu reichen. Ähnlich ist es um Sam Claflin bestellt. Der «Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten»-Mime, der in «Catching Fire» als Finnick Odair noch schmückendes Beiwerk war, hat in diesem Part zwar erneut wenig zu tun, dafür gehört sein Monolog, in dem er sein ganzes Wissen über das Kapitol preisgibt, zu den Gänsehautmomenten dieser Großproduktion. Liam Hemsworth reicht angesichts seiner weniger dramatischen Szenen als Gale Hawthorne zwar nicht an seine männlichen Jungdarstellerkollegen heran, trotzdem verleiht auch er seiner weiterhin ausbaufähigen Figur mehr Profil als zuvor. Dies gilt auch für Willow Shields als Katniss' Schwester Primrose, die kurz vor dem letzten Akt dieses Teils leider Auslöser der einzigen bemüht wirkenden, das Material unnötig streckenden Spannungsszene ist. Woody Harrelson und Elizabeth Banks werden in ihren wiederkehrenden Rollen vom Geschehen dagegen nahezu völlig an den Rand gedrängt, wobei Banks den Vorteil hat, dass ihre affektierte Effie Trinket einen krassen, plotgestützten Wandel durchmacht und daher eine kleine, aber feine Darbietung geben darf.
Dies scheint das verbindende Element des Ensembles rund um Jennifer Lawrence zu sein: Waren vor allem im Erstling viele der Randfiguren bloße Staffage, können die Nebendarsteller in «Mockingjay» mit markantem Gestus ihren Figuren ein Eigenleben verleihen, selbst wenn der Zuschauer nur wenig über sie erfährt. Dies gilt etwa für Natalie Dormer als Cressida, die strenge, zynische Regisseurin der Propagandafilmchen mit Spotttölpel Katniss in der Hauptrolle, sowie Julianne Moore und Philip Seymour Hoffman als Strippenzieher der Rebellion. Moore ändert von Szene zu Szene subtil die innere Haltung der eigensinnigen (anfangs fast gelangweilt erscheinenden) Anführerin, Hoffman unterdessen dominiert seine wenigen Sequenzen mit einer prägnanten Mischung aus Abgebrühtheit und trockenem Humor. Es sind – zumindest in diesem Film – äußerst knapp gefasste Rollen, trotzdem spielen die preisgekrönten Akteure sie nicht lustlos herunter, sondern schröpfen das Beste aus dem gegebenen, knappen Stoff.
Die Macht des Spotttölpels

Wenn Lawrence die unbeholfene Seite ihrer Figur wieder hervorkehrt und die ersten Propagandaclips der Rebellen verhaut, sorgt sie zudem auch für einige der wenigen, sich natürlich aus der Situation entwickelnden Lacher des Films. Zudem trägt Lawrence mit einem sanft gesäuselten Lied den Höhepunkt von «Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil I»: Eine eindringlich geschnittene Gegenüberstellung der „oberen“ Rebellen und des sich gegen das Regime auflehnenden Volkes. Mit übersichtlicher Kameraarbeit und die Emotionen untermalendem Schnitt (statt des Gewaltspitzen vertuschenden Schnittgewitters aus Teil eins) wächst das Franchise in dieser Szene endgültig über sich hinaus – womit das Warten auf den Abschluss im November 2015 sehr, sehr schwer fällt.
Fazit: Weniger Action, mehr Anspruch: «Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil I» führt die filmische Gattung der Jugendbuchverfilmungen in ungewohnte, politisch motivierte Sphären. Bravo!
«Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil I» ist ab dem 20. November 2014 in vielen deutschen Kinos zu sehen.
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