
Selbst die technooptimistischsten Experten wie Ray Kurzweil gehen davon aus, dass es bis zu diesem Punkt noch einige Jahrzehnte hin sind. Die englische Serie «Humans», deren acht Folgen umfassende erste Staffel vergangenes Jahr beim öffentlichen Sender Channel 4 gezeigt wurde und ab Donnerstag bei RTL Crime ihren Weg ins deutsche Fernsehen finden wird, setzt die Schwelle zur Singularität dagegen in die Jetzt-Zeit.
In «Humans» haben humanoide Roboter, Synths genannt, schon seit Längerem zahlreiche Aufgaben des Alltags übernommen, als Haushaltshilfen, in der Pflege und in zahlreichen Funktionen im Niedriglohnsektor, vom Apfelpflücken bis hin zur Prostitution. Weltweit sind viele Millionen von ihnen im Einsatz, mit großem Erfolg. Die Anschaffungskosten sind auch für englische Familien aus der Mittelschicht erschwinglich, erzählt am Beispiel der Hawkins. Eingeleitete Nebenhandlungsstränge: In der Ehe der Eltern kriselt es, weil Mutter Hawkins viel beruflich unterwegs ist und der Anschaffung eines Haushaltshilfen-Synths skeptisch gegenübersteht. Kind Nummer Eins sieht in der humanoiden Robotern eine schreckliche Bedrohung des gesellschaftlichen Ist-Zustandes und würde das Modell ihrer Eltern (zunächst) am liebsten vernichten, Kind Nummer Zwei entwickelt einen Crush auf das Anita getaufte Gerät und das Nesthäkchen schätzt die viele Zeit, die der Familien-Synth ihr mit Vorlesestunden widmet.
Was so gut wie niemand mitbekommt: Einige Synths haben mittlerweile ein Bewusstsein entwickelt und sind keine seelenlosen Maschinen mehr, auch wenn ihre Hersteller und andere Industriekonglomerate das leugnen, um ihre Geschäftsmodelle (und nebenbei die gesellschaftliche Stabilität) nicht zu gefährden. Hinter verschlossenen Türen werden schon Albtraumszenarien durchgedacht oder angedeutet: Was wenn alle Synths ein Bewusstsein entwickeln, mehr sein wollen als automatisierte Nutten oder Haushaltshilfen und mit ihren intellektuell dem Menschen weit überlegenen Kapazitäten die Möglichkeit haben, das auch durchzusetzen?

- © RTL Crime
Mit «Almost Human» und «Minority Report» haben in den letzten Jahren zwei mit hohem Production Value produzierte amerikanische Serien einen Blick in die Jahre 2048 und 2065 geworfen – und sind beim Publikum krachend durchgefallen. Die Geschichten beider Formate waren aber noch ein deutliches Stück mehr outlandish als der grundlegende Plot von «Humans», auch wenn die Channel-Four-Serie sich ebenfalls nicht immer scheut, jenseits der Grenze des Plausiblen zu erzählen. Dennoch funktioniert der Suspence of Disbelief, die willentliche Ausschaltung des Unglaubens im Kopf der Zuschauer, hier müheloser, organischer.

Bloß nicht den Stecker ziehen!
RTL Crime zeigt acht Folgen von «Humans» donnerstags ab dem 11. August um 20.15 Uhr.
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08.08.2016 14:53 Uhr 1
16.08.2016 12:15 Uhr 2