Serientäter

«The Winter King» – Wenn die Artussage zu einer Travestie verkommt

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«The Last Kingdom»-Fans dürften begeistert gewesen sein als kurz nach Ende der Erfolgsserie eine weitere Buchreihe Bernard Cornwells adaptiert wurde, doch die Ernüchterung folgt hier ohne Umschweife.

Wie das erste Buch von Cornwells Artustrilogie, heißt die neue Serie «The Winter King» und es tritt auch ein Mann namens Arthur in Erscheinung. Hier enden allerdings bereits so ziemlich die Gemeinsamkeiten zwischen Buchreihe und Verfilmung. Während die Macher von «The Last Kingdom» es noch schafften aus eingeschränkten Mitteln stets das bestmögliche herauszuholen und die Serie größer und lebendiger wirken zu lassen, als sie es letztlich war, ist «The Winter King» das genaue Gegenteil hiervon. Alles wirkt klein und leblos, die Landschaften karg, die Burgen sind Ruinen, gefühlt leben keine 50 Menschen in einem sogenannten Königreich und die Protagonisten schaffen es aus einem schwachen Drehbuch, ein noch schwächeres zu machen.

Der kleine, schmächtige Iain De Caestecker, der Fernsehzuschauern am besten als Computernerd aus «Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.» bekannt sein dürfte, spielt die ikonische Figur des Arthur Pendragon und versprüht dabei das Charisma eines ausgequetschten Mozzarella-Käses. Unterstützt wird er unter anderem von Ellie James als Nimue, deren schauspielerische Darbietung über depressives Dreinschauen nicht hinausgeht und Stuart Campbell als Derfel, mit einer geradezu lächerlich anmutenden Perücke, die ihn unterstützt durch seine etwas debile Mimik mehr zum Dorftrottel als zum Helden macht. Hohe Wellen hat auch die Entscheidung geschlagen, die Figur des Merlin mit dem schwarzen Nathaniel Martello-White zu besetzen. Doch die Relevanz der Hautfarbe der Figur rückt aufgrund dessen gelangweilten Anti-Schauspiels so sehr in den Hintergrund, dass selbst die Autoren der Serie scheinbar kurzerhand entschieden die Figur auf ausgiebige Off-Screen-Reisen zu schicken. Ins Bild passt hierzu auch das Casting von Jordan Alexandra als Guinevere, bei der die Autoren offensichtlich nachträglich versuchten sie „weißer“ wirken zu lassen. Mit blonder Perücke, die wie die meisten anderen Kostüme der Serie scheinbar der Resterampe des lokalen Karnevalsvereins entstammt und aufhellendem Makeup, hat sich hier niemand einen Gefallen getan.

Am problematischsten ist allerdings das Zusammenspiel all dieser Schauspieler, die als Ensemble keinerlei Chemie untereinander verspüren lassen und ohne Charisma ihre Dialogzeilen abhandeln. Hineingeworfen in eine leblose Welt, sind es lediglich die Feindbilder, die hier noch als positiver Lichtblick angesehen werden können. Simon Merrells etwa als Bösewicht Gundleus stiehlt dem übrigen Cast in jeder seiner Szenen mit Leichtigkeit das Rampenlicht.

Schwaches Setdesign, lustlose Schauspieler und eine verwässerte Geschichte machen «The Winter King» zu einer maximalen Enttäuschung, nicht nur für Buchfans von Bernard Cornwell, die hier nach «The Last Kingdom» große Vorfreude verspürt haben dürften. «The Winter King» ist abermals ein mahnendes Beispiel an überhebliche Fernsehautoren, die bei ihren Adaptionen das Quellmaterial mit Füßen treten.

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