«Zero Day»: De Niro gibt den Ex-Präsidenten

Amerika zerfällt, und Robert de Niro muss den Tag retten. Ein Rezept, das schon oft funktioniert hat - aber auch in der neuen Netflix-Serie?

In seinen älteren Jahren ist Robert de Niro so etwas wie der ewige Grantler geworden, egal ob als Mafiaboss, als der liebenswerte Grandpa mit den leicht glasigen Augen, oder als der Mann, der in Casinos Geld verbrannte. Jetzt tritt er bei Netflix als ehemaliger US-Präsident George Mullen auf. Und weil Netflix ihn nun hat, wird es natürlich wichtig. «Zero Day» ist ein Verschwörungsthriller, der große Fragen aufreißt und dann doch wieder nur in bekannten Mustern hängen bleibt – eine Serie wie ein vermaledeiter PowerPoint-Vortrag mit viel zu viel Animations-Effekten.

Der Hintergrund: Die USA versinken im Chaos. Aber nicht wegen eines Mannes wie Donald Trump, sondern wegen eines massiven Cyberangriffs – Stromausfälle, Börsencrashs, Flugzeuge, die vom Himmel fallen. Nichts funktioniert mehr, außer natürlich das Drama. Der Staat: handlungsunfähig. Die amtierende Präsidentin Evelyn Mitchell (Angela Bassett, gewohnt souverän) steht unter Druck. Und dann, so richtig nach Lehrbuch, braucht es einen Mann der alten Schule. Einen Anführer, der noch weiß, wie man Dinge durchzieht. Mullen also. De Niro betritt das Spielfeld. Und? Natürlich: Er hebt die Augenbraue, schaut bedeutungsschwanger, murmelt sich durch Szenen. Wie Staatsmänner das eben so tun.

Visuell macht Zero Day dabei alles richtig – jedenfalls nach dem Netflix-Handbuch für Thriller-Serien mit Prestige: Düster, aber bitte nicht zu düster, ein bisschen Grau-Filter hier, ein paar Neonlichter dort. Irgendwo läuft immer ein Fernseher mit Breaking News im Hintergrund. Die Kamera fährt betont langsam an Gesichtern vorbei, damit wir begreifen: Hier geht es um etwas! Und ja, es sieht alles teuer aus. Nur: Ist teuer auch gut?

Es fängt durchaus vielversprechend an: Spannung, Hektik, Dringlichkeit. Ein bisschen «House of Cards», ein bisschen «The West Wing», ein Hauch von «Mr. Robot». Aber bald zerfasert alles: zu viele Nebenhandlungen, zu viele Verdächtige, zu viele Momente im Stil von „Aber was, wenn es noch jemand anderes war?“ Es wird geredet. Und geredet. Und dann wieder geredet: Die Dialoge wollen scharf sein, sind aber oft nur eine Mischung aus aufgeblasenem Politsprech und Drehbuchautoren mit Verschwörungs-Faible.

Ja, de Niro zieht, das war auch nicht anders zu erwarten. Aber er kann diese Show nicht allein tragen. Jesse Plemons als Berater Roger Carlson? Verlässlich gut. Angela Bassett? Charisma ohne Ende. Aber der Funke will nicht so richtig überspringen. «Zero Day» fühlt sich oft an, als ob hier alle eine sehr gute, sehr ernsthafte Schauspielklasse besuchen – aber keiner hat den Mut, die Form zu sprengen.

Von der ersten Minute an ist offensichtlich: Diese Serie will sich als großer politischer Thriller verkaufen, als Kommentar unserer Zeit, als brennend aktuelles TV-Erlebnis. Und am Anfang glaubt man das auch. Doch ab einem gewissen Punkt spürt man als Zuschauer überdeutlich: Das hier ist kein Thriller, das ist ein Essay mit Schauspielern. Gut gespielt, solide inszeniert, aber letztlich zu brav und zu berechenbar.

Die Serie «Zero Day» läuft bei Netflix.
26.02.2025 11:22 Uhr  •  Oliver Alexander Kurz-URL: qmde.de/159137