Slavko Popadić:‚Wir erzählen heftige Geschichten und sind dabei zutiefst menschlich‘

Der Schauspieler sprach mit Quotenmeter über die Vorbereitungen am «KRANK Berlin»-Set, aber auch über die Tatsache, dass Waschbären die Verpflegung klauten.

Herr Popadić, können Sie uns etwas über Ihre Rolle als Dr. Ben erzählen? Was macht ihn besonders?
Ben Weber ist Arzt in der Notaufnahme, einer, der für seine Patient:innen alles geben will. Er hat ein riesengroßes Herz und er ist ein Getriebener, der manchmal über Grenzen geht.

Die Serie «KRANK Berlin» zeigt eine überlastete Notaufnahme in Berlin. Wie realistisch ist die Darstellung aus Ihrer Sicht?
Mehr oder weniger denke ich, dass fast jede Notaufnahme Anteile von «Krank» hat. Die hohe Verantwortung und das Tempo, in dem Entscheidungen über Leben und Tod getroffen werden müssen, ist sicher überall so.

«Medizinserien wie «Emergency Room» haben das Genre des unterfinanziertes Krankenhauses geprägt. Gibt es Parallelen zu diesem Klassikern oder geht «KRANK Berlin» einen eigenen Weg?»
Ich habe keine anderen Krankenhausserien geguckt, vor allem in der Vorbereitung war es mir wichtig, einen eigenen Zugang zur Rolle und der Serie zu finden.

Die Serie setzt auf einen Mix aus Drama und schwarzem Humor. Wie wird dieser Humor eingesetzt, ohne das ernste Thema zu untergraben?
Das ist das tolle an «KRANK Berlin», wir erzählen heftige Geschichten und sind dabei zutiefst menschlich und da ist eben auch Humor, das haben die beiden Creators Samuel Jefferson und Viktor Jakovleski ganz toll beschrieben. Aus meinen Gesprächen mit vielen Ärtz:innen und Pfleger:innen habe ich begriffen, dass dieser Humor von ganz alleine entsteht, weil man es sonst nicht aushalten würde.

Ihr Charakter muss sich mit schwierigen Arbeitsbedingungen und begrenzten Ressourcen herumschlagen. Wie sehr beeinflusst das seinen Alltag und seine Entscheidungen?
Sein Alltag besteht in erster Linie aus Notaufnahme und ein bisschen Auszeit holt er sich in Techno-Clubs. Ansonsten hinterfragt er sich nicht lange, seine Haltung ist: Einfach machen und im besten Fall daran selbst nicht kaputt gehen.
Wie haben Sie sich auf die Rolle eines Arztes vorbereitet? Gab es spezielle medizinische Trainings oder Beratung durch echte Ärzte?
Die Produktion hat uns die Möglichkeit gegeben, ein Praktikum zu machen. Wir hatten ein mehrwöchiges Bootcamp um die Basics zu lernen, wie die Handschuhe anziehen, Spritzen setzen. Wir konnten mit tollen Menschen sprechen, die im Krankenhaus arbeiten. Am inspierensten war die Begegnung mit einem Freund von Viktor Jakovleski, selbst Notarzt und mit Samuel Jefferson, der selbst lange als Arzt gearbeitet hat.

Das deutsche Gesundheitssystem steht oft in der Kritik. Glauben Sie, dass «KRANK Berlin» auch gesellschaftliche Missstände anprangert?
Ja, auf jeden Fall. Ich denke, dass die Probleme, über die wir sprechen universell sind. Wir reden über Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Kapitalismus. Was es bedeutet, ein Krankenhaus als profitablen Betrieb zu sehen und nicht in erster Linie zur Versorgung kranker Menschen. Hier möchte ich unseren Creator Viktor Jakovleski zitieren, der sagte, „Wie kann es sein, dass die Menschen, die in einem System arbeiten, welches dafür ausgelegt ist, Leute zu heilen, dadurch selber krank werden?“.

Die Serie wird international über Apple TV+ ausgestrahlt. Denken Sie, dass das der deutschen Krankenhäuser und die Erzählweise auch weltweit Anklang finden werden?
Das hoffen ich. Wie ich eben schon sagte, behandeln wir universelle strukturelle Probleme und ich hoffe, dass sich möglichst viele Menschen gesehen fühlen.

Welche Dynamik herrscht am Set? Gibt es besondere Momente oder Herausforderungen, an die Sie sich erinnern?
Wo soll ich anfangen. Die Intensität der Dreharbeiten, die sich manchmal wie ein Tanz angefühlt haben. Und es gab Waschbären, die unser Essen klauten.

Was können die Zuschauer von «KRANK Berlin» erwarten – und warum sollte man die Serie unbedingt sehen?
Wir wollen das Licht auf die Ärtz:innen werfen, die trotz aller Umstände und Widerstände alles geben, um zu helfen. Wir erzählen wirklich tolle Geschichten mit tollen Menschen: Spannend, berührend – mit Humor.

Danke für Ihre Zeit!

«Krank Berlin» ist bei AppleTV+ abrufbar.
28.02.2025 12:40 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/159190