Ben Silverman auf neuen Wegen mit NBC

In einem Interview sprach der Chef des US-Senders über die veränderten Sehgewohnheiten und «Verliebt in Berlin».

NBC überraschte in diesem Jahr – allerdings nicht mit neuen oder besonders innovativen Programmideen, sondern damit, dass man sein neues Programm für die TV-Saison 2008/2009 nicht in der zweiten Maiwoche, sondern bereits Anfang April vorstellte. Gegen die klassische Form der Präsentation entschied sich Senderchef Ben Silverman, der den Kollegen von DWDL.de in dieser Woche ein Interview gab. „In dem Moment, in dem ich bei NBC angefangen habe, war mir klar, dass wir es nie wieder so machen werden. Offen gesagt gibt es im Fernsehgeschäft einige Themen, die angesprochen werden müssen. Und wenn die Branche sich dieser Dinge nicht gemeinsam annimmt, machen wir das für uns bei NBC,“ erklärte der Fernsehmacher. Klassische Upfronts würden niemandem nutzen, sagte er.

„Die vier großen Networks geben zum Start der TV-Saison grob 250 Millionen Dollar aus um all ihre Neustarts zu bewerben, die dann alle innerhalb einer Woche starten.“ Auch das würde niemandem nutzen. Zudem hält es der Fernsehmacher nicht mehr für nötig, von einer Serie unbedingt 22 Episoden pro Saison zu bestellen. Früher sei dies wichtig gewesen, damit nach vier oder fünf Jahren rund einhundert Episoden in die Off-Network-Verwertung gehen konnten, die damals noch viel Geld einbrachte. Inzwischen verdiene man mehr durch die internationale Vermarktung und DVD-Verkäufe.




Auf die kommende Saison freue er sich, denn NBC hat – und das steht zweifelsohne fest – einige Highlights im Programm: die Olympischen Spiele im August, Sunday Night Football im Herbst, die Golden Globes und nicht zuletzt den Super Bowl. Was Silverman genau auf dem Slot nach der Übertragung des Super Bowls zeigen möchte, wollte er nicht verraten. In den USA spekuliert man, dass «Heroes» (Foto) oder einer der Neustarts gute Chancen haben könnten.

Lob fand der TV-Manager, der in dieser Woche die Ehrenrose der Rose d’Or verliehen bekam, für die Sat.1-Telenovela «Verliebt in Berlin»: „Ich mochte den zeitgemäßen Look der Serie sehr. «Verliebt in Berlin» hatte diese gewisse «Sex and the City»-Energie und ein hervorragendes Look and Feel,“ so Silverman. Dass «Ugly Betty», das er selbst produziert hat, in Deutschland nicht funktioniert hat, überraschte ihn dann aber doch ein wenig. Dennoch liebe er Europa – und machte auch recht schnell den Unterschied zwischen dem Fernsehen hier und in den USA aus: „Im amerikanischen Fernsehen darf jeder eine Waffe haben, aber keinen Sex. Im europäischen Fernsehen darf jeder Sex haben, aber keine Waffe“, scherzte er.
10.05.2008 08:05 Uhr  •  Manuel Weis  •  Quelle: DWDL.de Kurz-URL: qmde.de/27158