
Teen-Soap trifft Murder Mystery
Mit den bereits angesprochenen inhaltlichen Merkmalen und gemessen an der Popularität steht «Riverdale» aber noch einmal deutlich über den meisten anderen Formaten des Senders. Wenn in Deutschland hierzulande wöchentlich neue Folgen bei Netflix erscheinen, zählt «Riverdale» stets zu den meistabgerufenen Streaming-Formaten. Manchmal landet die Serie im Wochen-Ranking sogar auf Platz eins.
Archie Comics vs. «Riverdale»
Die Archie Comics sind eigentlich augenzwinkernde Geschichten um einen Highschool-Schwerenöter, seine Liebeleien und Freunde – durch und durch eskapistische Unterhaltung. Purer Eskapismus ist «Riverdale» zwar auch, irgendwie transformierte Serienschöpfer Roberto Aguirre-Sacasa die Geschichten aber zu einem sehr selbstreferenziellen, Popkultur-besessenen und ernsthaft-düsteren Crime-Drama, das häufig wenig Sinn ergibt, aber dafür ein ungemein hohes Suchtpotenzial und umso mehr Style besitzt.Das war Staffel 3 von «Riverdale»

Weil besagter „Gargoyle-König“ schon einmal in der Generation der Elternfiguren in «Riverdale» auf der Bildfläche erschienen war, brachte Staffel drei eine herrlich verrückte, an «The Breakfast Club» angelehnte Episode, in der die Hauptdarsteller der im Zentrum der Handlung stehenden Jugendlichen ihre Eltern spielen. Derartige Ideen sind die wirklichen Highlights des Formats und ein Grund, warum «Riverdale» in Sachen Einfallsreichtum wirklich aus der Masse heraussticht. In Staffel zwei hatte das Format beispielsweise bereits eine komplette Musical-Episode bestritten.
Ansonsten war die dritte Staffel an vielen Stellen wieder ein inhaltlich heilloses Durcheinander. Außer dem „Gargoyle“-König und seinem gefährlichen Spiel handelten die 22 Episoden von einer christlichen Einrichtung für Problem-Jugendliche, die ihre Insassen unter Drogen setzt, von einem damit in Verbindung stehenden Drogenring, von Organhandel, einem spirituellen Kult, dem Bettys Familie anheimfällt, von illegalen Kämpfen zwischen Häftlingen eines Gefängnisses, zu denen ein unglaubwürdig verurteilter Archie gezwungen wird oder von einem lebensgefährlichen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Archie und dem kriminellen Vater seiner Freundin, Hiram Lodge. Alles soll natürlich irgendwie mit der übergreifenden Geschichte um den „Gargoyle-König“ zusammenhängen, tut es aber häufig nicht.
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Bei all der berechtigten Kritik, die Beobachter auch nach Staffel drei wieder vorbrachten, disqualifiziert diese Vorgehensweise die Serie nicht automatisch, denn es gibt längst einen Markt für Serien, die Style und Spektakel über Substanz stellen. Viele Fans schalten wöchentlich weiterhin gerne ein, obwohl sie um diese Schwächen des Formats wissen. Es gehört zu dieser serienaffinen, jungen Generation dazu, in der es plötzlich Platz für allerlei unwahrscheinliche Produktionen gibt und in der qualitative Merkmale wie eine stringente Erzählung plötzlich nur noch subjektiv bewertet werden.
Luke Perrys Tod überschattete Season 3
Obwohl die Serie auch in Staffel drei durch ungemein viele Erzählstränge bald selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sah, rückte während der Staffel unerwartet eine Geschichte hinter den Kulissen in den Fokus der Zuschauer. Luke Perry, der in «Riverdale» Archie Andrews‘ Vater Fred spielte, verstarb überraschend an einem Schlaganfall im Alter von 52 Jahren. Seine Beteiligung am Format war eine der vielen Verneigungen vor US-amerikanischer Popkultur seitens «Riverdale», denn Perry stand in den 90er Jahren als Dylan McKay selbst im Zentrum der Handlung eines beliebten Teen-Dramas – «Beverly Hills, 90210». Nach seinem Tod, der sich nach Ausstrahlung von 13 der 22 Episoden aus Staffel drei ereignete, trieb Serienfans also auch die Frage um, wie das Format mit dem Tod des Darstellers umgehen würde.

Auch das ist ein Merkmal dieses in der TV-Landschaft so besonderen Formats. Zwar hat die Serie viele einstige Fans schon aufgrund eines inhaltlichen ADH-Syndroms verloren, das Format geht aber immer ungemein liebevoll mit seinen Figuren um, die in der US-amerikanischen Popkultur als Comic-Protagonisten ohnehin schon eine feste Identität haben. Auch obwohl der Mystery-Faktor sich in Staffel drei enorm erhöhte, bleibt sich «Riverdale» damit weiter treu. Roberto Aguirre-Sacasa ist sich entgegen der Einschätzung vieler Beobachter nämlich sehr sicher, was genau seine reizüberflutende Serie eigentlich ist. Er grenzt sie klar gegenüber «The Chilling Adventures of Sabrina» ab. In «Riverdale» hat Magie somit keinen Platz, mysteriöse Crime-Dramen, die einen übernatürlichen Anschein erwecken allerdings schon. Stattdessen dürfen sich Zuschauer in Staffel vier wohl auf einen neuen aufwühlenden Kriminalfall mit zwischenmenschlichen Einwürfen freuen und auf eine Huldigung eines Darstellers, der das Format viel zu früh verließ.
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