
Insgesamt gibt es (Stand: Anfang 2020) mittlerweile 22 «Pokémon-Movies», die hierzulande zumeist als Direct-to-DVD-Ware in den Handel gekommen sind – und von der hier vorgestellten Ausnahme einmal abgesehen auf den klassischen Animestil setzen. Nahezu alle eint, dass sie (mehr oder weniger stark) losgelöst vom Seriengeschehen eine Geschichte erzählen, in der meistens ein oder mehrere legendäre Pokémon im Fokus stehen, die ihrem Namen in jeder Franchise-Spielart eigentlich alle Ehre machen, da man sehr selten mit ihnen in Berührung kommt. Mewtu mit der Nummer 150, eines der bekanntesten Wesen der ersten Welle, wurden sogar mehrere Abendfüller gewidmet, da es schlicht und ergreifend ein Publikumsliebling war und ist. Sein erster Auftritt, dem in Japan noch ein Prolog vorausging, auf den Anhänger in zahlreichen Ländern zunächst verzichten mussten und ein kurzer Vorfilm, in dem Pikachu und seine Freunde urlauben, kam in Deutschland im Jahre 2000 in die Kinos und sorgte für beeindruckende Zahlen an den Lichtspielhauskassen: 3,22 Millionen Tickets wurden gelöst und auch international waren volle Säle die Regel. In Sachen Marketing agierten die Verantwortlichen – wie gewohnt – wieder beispielhaft und gaben exklusive Trading Cards an die Besucher aus.

Zu sehr soll in diesem Rahmen allerdings nicht auf das präsentierte Geschehen eingegangen werden, da es für diejenigen, die dieses gezeichnete Machwerk schon zigmal angeschaut haben, keinen Mehrwert darstellen würde (und das ist mutmaßlich die Mehrheit derer, die sich für diesen Beitrag interessieren) und diejenigen, die sich erstmals auf dieses Abenteuer einlassen wollen, sollten dies möglichst so unvorbelastet tun können wie die eben beschriebene Gruppe vor fast genau 20 Jahren. Zumal es dann reizvoll wäre, die Nachzügler den Urfilm, dessen Alternativtitel übrigens bereits ein echter Spoiler wäre, nachholen zu lassen und sich mit ihnen anschließend über ihre Eindrücke auszutauschen. Es gibt nämlich – wie gesagt – kleine, aber feine Veränderungen, die man durchaus kritisch sehen kann, jedoch nicht kritisch sehen muss.
Dafür konnten sich zumindest die deutschsprachigen Fans über die Rückkehr vieler Originalsprecher freuen (etwa Angela Wiederhut als Misty oder Marc Stachel als Rocko). Nur Ash wurde hier wie auch seit der (von den Anhängern weltweit aufgrund ihres stark veränderten Looks sehr zwiespältig aufgenommen) 21. Staffel wieder von Felix Mayer und nicht mehr von Caroline Combrinck, Ashs erster und dritter Stimme, gesprochen, die den Part nach dem Tod von Veronika Neugebauer wieder übernommen hatte, was für Kinder der 90er das Aufkommen echter Nostalgiegefühle nochmals erschweren dürfte – wofür der Synchronschauspieler allerdings natürlich nichts kann.
Für die The Pokémon Company, die längst ein Weltkonzern ist, dürften ohnehin andere Faktoren entscheidend sein. Wenn man alleine sieht, dass die deutschen „Trainer“ jeden Alters nach RTLZWEI, nickelodeon und ProSieben Maxx in Super RTL/Toggo nun schon die vierte Free-TV-Anlaufstelle (respektive deren Mediatheken) verlässlich ansteuern, Amazon Prime wie auch Netflix darüber hinaus mit einzelnen Staffeln und/oder Filmen aufwarten, die ersten vollwertigen, für eine Heimkonsole (für die Nintendo Switch, die aber bekanntlich auch unterwegs genutzt werden kann) entwickelten Editionen „Schwert" und „Schild" (wie so ziemlich jede davor) in den Gaming-Verkaufsstarts ganz vorne mitmischen, was bei Nintendo für leuchtende Augen sorgen dürfte, und der 23. Movie im Sommer in Japan Premiere feiern wird, steht eines außer Frage: Es werden voraussichtlich noch sehr lange Heranwachsende von diesem einzigartigen Universum und seinen faszinierenden Bewohnern in ihren Bann gezogen werden.
«Pokémon: Mewtu schlägt zurück – Evolution» ist auf Netflix verfügbar. Weitere ausgewählte Staffeln und/oder Filme ebenfalls dort, auf Amazon Prime oder im Toggo-Programm.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel