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Trotz der schwierigen Umstände in Woche eins hat «DSDS» aber gezeigt, dass die Live-Shows auch ohne Publikum funktionieren können. Das liegt zum einen daran, dass Neu-Moderator Alexander Klaws mit der ungewohnten Situation innerhalb weniger Wochen vertraut wurde und vergangenen Samstag schon spürbar lockerer durch das Spektakel führte. Auch die Verpflichtung von Florian Silbereisen tat «DSDS» in den vergangenen Wochen gut, über seine Anwesenheit dürfte sich allerhöchsten Dieter Bohlen geärgert haben, der Schwergewichte am Jurypult traditionell nur schwer ertragen kann. Und auch die Quoten zeigen ein ähnliches Bild. Obwohl die Zustimmung beim jungen Publikum zuletzt rückläufig ausfiel, bewegen sich die Reichweiten derzeit weit und die Quoten zumindest leicht über dem Niveau der Live-Phase des Vorjahres.
Wenn der Applaus vom Band kommt
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„Während der Live-Show wähle ich aus zwölf aufgezeichneten Applausen aus, die ich auch miteinander mischen kann, und spiele diese zu den passenden Zeitpunkten ein“, so Travnicek im Gespräch mit Quotenmeter.de. Dabei handle es sich um Originalapplause, die zu Beginn der Staffel mitgeschnitten wurden. Platziert werden diese in Abstimmung mit dem Regisseur an genau den Stellen, an welchen sie René Travnicek sonst vom Publikum aus angeklatscht hätte.
- Privat
René Travnicek an seinem neuen Arbeitsplatz bei «Let's Dance».
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Doch obwohl die Applause für mehr Stimmung in der Show sorgen: Am Set spüre man die wegen Corona getroffenen Vorsorge-Maßnahmen stark. „Die Atmosphäre vor Ort ist kühler als sonst. Alle gehen sehr herzlich und nett miteinander um. Zugleich dürfen nur noch die ins Studio rein, die es müssen. Abstand halten ist die oberste Regel. Physisch ist keiner nah am anderen dran“, erklärt René Travnicek. Dass er für «Let’s Dance» überhaupt noch weiterarbeiten darf, bezeichnet er allerdings als Privileg. Im «DSDS»-Finale, das am heutigen Samstag um 20.15 Uhr auf Sendung geht, wird er ebenfalls einmalig Applause einspielen.
Auch wenn nach Einschätzung von René Travnicek in dieser Staffel nicht mehr mit Studio-Publikum zu rechnen sein wird, geht er dennoch davon aus, dass die aktuelle «Let’s Dance»-Staffel zu Ende gebracht werden kann. Trotz anderslautender Schlagzeilen in der Bild ist sein Eindruck, dass die meisten Tänzerinnen und Tänzer weiter Spaß an dem Format haben. „Wenn im Team kein Corona-Fall auftritt, hat «Let’s Dance» jede Chance, bis zum Ende durchproduziert zu werden“, glaubt der 44-Jährige.
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Erprobte Show-Konzepte und eindrucksvolle Bilder machen den Unterschied
Auch wenn Publikum vor Ort für die Stimmung wichtig ist, profitieren große Shows wie «Let’s Dance» und «The Masked Singer» dieser Tage massiv von ihren erprobten und beliebten Konzepten. Sie müssen durch die vorgeschriebenen und empfohlenen Maßnahmen zwar an einigen Stellen umdenken, das Grundgerüst der Shows ist aber gesetzt. Neben den festgelegten Abläufen leben «Let’s Dance», «The Masked Singer» und Co. zudem von ihren eindrucksvollen Kulissen. Alle Shows entstehen weiterhin in den großen Studios, die auch ursprünglich mit Publikum vorgesehen waren. «Let’s Dance» funktioniert über Bilder, die Glanz und Glamour vermitteln. «The Masked Singer» mit seinen liebevoll gestalteten und bunten Kostümen entführt den Zuschauer gar in eine regelrechte Traumwelt, die von Coronavirus und Co. maximal entfernt zu liegen scheint.
Und so war auch das Hauptproblem von all den Quarantäne-Shows, die in den letzten Tagen aus dem Boden gestampft wurden, weniger das fehlende Publikum, sondern vielmehr das fehlende Konzept. Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Oliver Pocher quatschten in der ersten Folge der «Quarantäne-WG» mehr oder minder belanglos vor sich hin, agierten ohne Plan und bewegten sich inhaltlich irgendwo zwischen spontanem Podcast, Infotainment und lauwarmer Montagabend-Show. Die «Sat.1 Comedy Konferenz» kam zwar etwas durchdachter daher, litt aber an der räumlichen Trennung der Moderatoren im Studio und der neun Promis, die von zu Hause zugeschaltet wurden. Das erinnerte mehr an eine launige Skype-Konferenz als an eine große TV-Show.
Vekehrte Richtung: Quotentrend von «Luke, allein zuhaus»
- Woche 1: 0,47 Mio. (2,0% / 4,1%)
- Woche 2: 0,36 Mio. (1,6% / 3,0%)*
*In Woche 2: Quoten von Mo bis Do
Fazit
Es ist gut und lobenswert, dass sich die Privatsender zuletzt an viele spontane Shows herangetraut haben. Vielleicht brauchte es ja genau die Quarantäne-Sendungen der letzten Tage, um noch einmal zu erkennen, was gute TV-Unterhaltung im Jahr 2020 eigentlich ausmacht. «The Masked Singer», «Let’s Dance» und «Deutschland sucht den Superstar» leben von erprobten Konzepten und glamourösen Bildern. Die Marken sind stark genug, um auch dieser Tage unter besonderen Bedingungen zu funktionieren. Und mit Publikum vor Ort kann es im nächsten Jahr dann eigentlich nur noch besser werden.
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