Cast & Crew
- Darsteller: David Kammenos, Marie Dompnier, Capucine Vamlary, Arnaud Binard, Lila Dewaere, Isabel Otero, Théo Christine, Robert Calvet
- Buch: Alexis Le Sec, Raphaëlle Roudaut
- Regie: Rodolphe Tissot
- Produzenten: Thomas Bourguignon, Stéphanie Carrère
- Produktion: Kwai, France Télévision
- Redaktion ZDFneo: Leona Hidding
Nun sind dies beides richtig teure Produktionen, eine war ein Hit, eine ein Flop – und es ist klar, dass nicht jede Serie «Versailles» sein kann. Vieles ist Gebrauchsware. In Frankreich liegen Erfolg und Misserfolg bei solchen kleineren Produktion oft nah beieinander. Beispiel: «The Returned». In ein kleines Städtchen in den Savoyen kehren Menschen zurück, die bereits vor Jahren gestorben sind. Wie das sein kann? Niemand hat auch nur den Hauch einer Antwort auf diese Frage. Weder die handelnden Personen der Serie noch die Autoren derselbigen. Nach einer grandiosen ersten Staffel, die in Bezug auf ihr Budget kaum über dem einer deutschen «SOKO»-Vorabendserie gelegen haben dürfte, die aber die Geschichte unfassbar wendungsreich zelebrierte, stürzte die zweite Staffel in einer Art und Weise ab, dass es schmerzte, ihrem Scheitern beiwohnen zu müssen. Ziellos, irrlichternd, müde wiederholte sie eigentlich nur die erste Staffel. In langweilig.
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Sollte ein Wunder sie alle gerettet haben?
Ben ist skeptisch, vor allem unter der Prämisse, dass der jüngste Teilnehmer nicht nur plötzlich keine Brille mehr benötigt, um sehen zu können – sondern seine Augen die Farbe verändert haben. Wie kann so etwas sein? Dabei ahnt er nichts von den anderen Veränderungen. Da ist etwa der Profisurfer, der plötzlich vom Wasser angezogen wird, ganz so, als würde das Wasser zu ihm sprechen. Oder der junge Mann, dessen Vater als Heilpraktiker (eigentlich ist er ein Scharlatan) arbeitet – und der plötzlich jene Kräfte zu besitzen scheint, die sein Vater behauptet zu haben. Zumindest kann er eine Frau, die lange unter Nackenschmerzen litt, durch einfaches Handauflegen heilen.
Doch es sind nicht nur diese unerklärbaren Veränderungen, die sich nach und nach ergeben. Da ist außerdem ein Traum, der offenbar alle Betroffenen verbindet: In ihm liegt ihre Heimatstadt unter einer Sanddecke. Ganz so, als wäre ein – zumindest kleiner – Tsunami über die Stadt hinweggefegt.
Nur zwei Episoden?

- © ZDF/Langro Thierry
Marianne Lewen (Lola Dewaere) und ihr Mann Julien (Arnaud Binard) streiten sich um die Erziehung ihres gemeinsamen Sohnes.
Weil hier Konflikte der Konflikte wegen aufgebaut werden. Man kann quasi eine Strichliste führen. Da ist die Mutter mit ihrem unverarbeiteten Traumata. Die Teenie-Tochter, die zwischen cool und zerbrechlich agiert, der Abzocker, der in der Kraft des Sohnes erst einmal eine Geldquelle sieht und nicht unbedingt – ein Wunder? Oh, und dann gibt es die Geschichte einer Bauunternehmung (um genau zu sein handelt es sich um den Bau eines Öko-Ressorts für betuchte Öko-Touristen). Bei den Bauarbeiten öffnet sich eine Spalte im Boden. Ruft der Bauherr nun die Baubehörde der Stadt (wegen der Gefahr im Untergrund), oder will er sie einfach zuschütten, weil: Es ist ja nur eine Ritze und jeder Tag Verzögerung kostet Geld? Die Frage muss wohl nicht beantwortet werden.
Nichts wirkt wirklich echt an diesen Konflikten und Handlungen; vielmehr werden Versatzstücke des klassischen Katastrophenfilmes brav verarbeitet. Beim klassischen Katastrophenfilm dient die eigentliche Katastrophe letztlich nur als Versinnbildlichung der zuvor aufgebauten zwischenmenschlichen Konflikte und Handlungen. Doch «The Last Wave» erzählt keine klassische Katastrophengeschichte, vielmehr bricht etwas über die handelnden Figuren herein, was sich nicht erklären lässt - und außerhalb des kleines Städtchens auch niemanden zu interessieren scheint. YouTube-Videos? Instagram-Videos? Dass die Franzosen ihren eigenen Kopf in vielen Belangen haben, ist durchaus bekannt. Aber sie sind keine Boykotteure sozialer Medien. So verwundert nach der ersten Episode, dass es überhaupt keine Reaktionen von Außen gibt. Elf Menschen werden von einer Welle erfasst und weggespült. Müsste da nicht die halbe französische Marine auf die Suche gehen? Und dann kehren sie alle wohlbehalten zurück. Wenn sich da keine Boulevardmagazine drauf stürzen: Worauf denn sonst?
Die Serie «The Returned» löste dieses fehlende Interesse seinerzeit plausibel: die Protagonisten trafen eine Art Schweigeabkommen, um ihre Liebsten zu schützen. So etwas passiert in dieser Serie allerdings nicht.

Auch die Effekte sind eher von sehr durchschnittlicher Qualität, was gerade mit Blick auf die Wolke nicht wirklich Funken fliegen lässt. Gerade weil sie so im Mittelpunkt steht, wären ein paar Rechnerstunden mehr für das Rendering sicher keine schlechte Idee gewesen. So wirkt sie einfach nicht echt.
Man weiß es nicht
Es mag ja sein, dass die Serie ab Episode drei das Tempo anzieht. Der Cliffhanger der zweiten Episode deutet so etwas an, denn ein katastrophales Geschehen, das man sich eigentlich für das Ende der Serie vorgestellt hätte, bricht über das kleine Küstenörtchen herein. Die schriftlichen Zusammenfassungen der folgenden Episoden lassen allerdings nicht darauf schließen, dass die Plausibilitätslücken (wie das fehlende Interesse außerhalb) geschlossen würden.
Die ersten beiden Episoden auf jeden Fall, die das ZDF zur Ansicht zur Verfügung gestellt hat, machen keine Lust auf den Rest der Serie. In Sachen Serienfernsehen haben die Franzosen einfach keinen Lauf.
ZDF neo zeigt die gesamte Serie am 26. Juni ab 22 Uhr und in einer Wiederholung am 24. Juli ab 23.40 Uhr. Ab dem 27. Juni sind alle Episoden in der Mediathek abrufbar.
Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
25.06.2020 11:59 Uhr 1
26.06.2020 08:34 Uhr 2