
Russel dreht einen fast zweistündigen Dokumentarfilm «Auf Teufel komm raus: Die wilde Welt des John McAfee», in der die merkwürdige und exzentrische Figur des McAfee im Mittelpunkt steht. Die Zuschauer können eindrucksvoll sehen, wie ein paranoider Mann Alkohol und Drogen konsumiert und zudem noch über 15 Waffen auf seinem Boot platziert. Er habe panische Angst, da mehrere Gangs hinter ihm her seien. Immer wieder spricht McAfee davon, dass er zahlreiche geheime Informationen vorliegen habe, die selbst das Pentagon aufschrecken konnte.

Obwohl hier wohl langjährige freiberufliche Medienschaffende agieren, gibt es immer wieder merkwürdige Szenen. So steht Robert King während eines Interviews einfach auf und holt sich einen neuen Kaffee, von Seriosität keine Spur. In der zweiten Hälfte der Dokumentation wird der Ghostwriter Alex Cody Foster eingeführt, der mit „verblüffenden“ Aufnahmen die Zuschauer schockt. Er habe wohl auf Band, dass McAfee seinen Vater umbrachte. Doch ob das alles stimmte – oder einfach nur für diese Netflix-Dokumentation aus dem Zusammenhang gerissen wurde – ist unklar. Regisseur Charles Russel drehte nicht gerade eine Dokumentation, die wirklich aufklären möchte. Stattdessen werden zahlreiche Aufnahmen aus dem Jahr 2012 und später aus dem Jahr 2019 verwendet, die den schon damals sehr durchgeknallten McAfee begleitet haben.
Erweitert wurde dies mit einigen wenigen Interviews mit Protagonisten, die man zufällig eingefangen habe. Doch so wirklich glaubt man dieser dokumentarischen Aufarbeitung nicht wirklich. «Auf Teufel komm raus: Die wilde Welt des John McAfee» sieht wie eine schnelle Produktion nach dem Tod des Titelgebers aus. Jetzt könne man ja alles verwenden und ausstrahlen, immerhin könne sich McAfee nicht mehr wehren.

«Auf Teufel komm raus: Die wilde Welt des John McAfee» ist schlecht verfasst. Beispielsweise verzichten die Macher auf genaue Zeitangaben, wie lange McAfee und sein Team untergeraucht sind. Auch seine früheren Kokain-Probleme, die er bis 1983 hatte, werden nur in einem Satz thematisiert. Selbst wichtige Informationen, dass er auf einem Parteitag zur Nominierung der Präsidentschaftskandidatur nur den letzten Platz belegte, ließ man weg. Stattdessen wurde das Thema zwar angeschnitten, aber sehr wohlwollend über McAfee geschrieben.
Die Dokumentation dürfte sich so nicht schimpfen. Das wirkt eher wie eine Reportage auf niederem Niveau. Man habe doch schon vorher in den Medien erfahren, dass McAfee leicht verrückt ist. Dafür braucht man keine fast zwei stündige Sendung, die selbst bei Netflix wie eine DVD vom Grabbeltisch wirkt.
«Auf Teufel komm raus» ist bei Netflix verfügbar.
Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
07.08.2023 18:38 Uhr 1
07.08.2023 19:26 Uhr 2
Zu sagen das die Doku schlecht verfasst ist, ohne zu bemerken das der Artikel das selber auch ist ob seiner Fehler, ist ungewollte Ironie.
Und nein, ich verrate die jetzt nicht, damit die dann wieder wortlos korrigiert werden. Wobei, oft genug werden die ja auch dann noch nicht mal korrigiert.
07.08.2023 23:31 Uhr 3