
Für deutsche Serienzuschauer war der Leidensweg noch größer. Die Premiere fand auf den Pay-TV-Sender Sony AXN statt, ehe die Serie schließlich zu Paramount+ wechselte. Durch die fehlende Öffentlichkeitsarbeit von Seitens Sony fand der große Durchbruch der Neo-Western-Serie erst im Januar 2024 mit dem Streamingdienst Netflix statt. Während die Netflix-Abonnenten die Anfänge der Dutton-Ranch erleben, ging das Leben von John Dutton und seinen drei Kindern weiter. Richtig ist, dass die vierte Staffel einen deutlichen Durchhänger hatte. Inzwischen haben sich die Wege von Mastermind Sheridan und Schauspieler Kevin Costner getrennt, es sollen noch sechs Folgen entstehen.

Die vierte Staffel endet mit der Ehe von Beth und Rip, der Verurteilung von Summer auf mehrere Jahre und der Tod von Garrett. Außerdem wird John als neuer Gouverneur-Kandidat aufgebaut. Die Geschichte von Kayce ist zunehmend unbedeutend und wird auch in der fünften Staffel keinen besonderen Platz mehr einnehmen. Die von Luke Grames verkörperte Figur ist reines Füllmaterial. Zum Start der fünften Staffel wird John als Gouverneur von Montana vorgestellt, die gesamte Wahlkampftournee hat sich Autor Taylor Sheridan erspart. Das ist durchaus ein valider Punkt, denn dem Rezipienten ist es durchaus bewusst, dass es bald zu einem Finale kommen wird.

John, der keine Wiederwahl anstrebt, möchte mit aller Gewalt seine Farm verteidigen. Deshalb wird auch im Laufe der aktuellen Staffel das gesamte Konzept der Serie noch einmal auf dem Kopf gestellt. Aber zunächst entdeckt Beth einen Kindersitz in Jamies Auto und erfährt so, dass dieser einen Sohn hat. Der Gouverneur Dutton nutzt seine Macht, indem er Summers Strafe in Hausarrest auf seiner Ranch umwandelt. Mit Sicherheit wird diese Handlung noch einmal den Farmbesitzer in Schwierigkeiten bringen. Unterdessen geraten Summer und Johns Tochter Beth in einem Disput. Rip geht dazwischen und fordert die Damen auf, einen fairen Wettkampf auszutragen: Jede Dame darf der anderen abwechselnd ins Gesicht boxen, wer aufgibt muss sich unterordnen. Das sind die rauen und toughen Seiten an «Yellowstone», die das moderne Leben mit den alten Tugenden verbindet.
Fünfeinhalb Staffeln lang wurde eine andere Geschichte der Yellowstone-Ranch nicht angepackt: Wie finanziert sich eigentlich eine solche Farm und wie können die Duttons eigentlich gegen Tourismus sein? In der siebten der acht Folgen werden ein Teil der Rinder von einem Virus verseucht, weshalb die Herde abgetrennt werden muss. Da stellt Beth fest, dass die Ranch so gut wie keine Gewinne einfährt, um Rücklagen zu bilden. Damit könnte die Schlussgeschichte von «Yellowstone» endlich beginnen. Die Familie hat über mehrere Staffeln versucht, das Land von Investoren fernzuhalten und die Farm vor Außeneingriffen zu bewahren. Aber eine Seuche könnte die Duttons dazu verleiten, entweder neue Geschäftsaktivitäten wie Tourismus, Verkauf von Premiumfleisch anzukurbeln oder die Farm bestmöglich zu verkaufen. Eine Veräußerung der Ranch ist allerdings auch nur schwer möglich, da John die Farm unter Naturschutz stellte. Stehen er und seine Kinder vielleicht am Ende der sechs verbleibenden Folgen, die im Herbst 2024 laufen, ganz ohne Bleibe da?

«Yellowstone» funktioniert auch deshalb weiterhin so gut, weil die Autoren sich klar von den übrigen Ost- und Westküsten-Serien abzusetzen zu versuchen. Hier wird nicht am nächsten Green Deal gearbeitet und Veggie-Tourismus zelebriert, Beth ist beispielsweise starke Raucherin und kippt gerne schon am Morgen harten Schnaps. John erschießt ein Pferd nach einem Unfall, weil eine Rehabilitation zu teuer ist. Menschen sterben, weil Banden ungehindert im Outback arbeiten können. Montana ist der wilde Westen.
Die fünfte «Yellowstone» -Staffel läuft bei Paramount+.
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel