
Beginnen wir mit der ersten Episode, «Seekest Thou the Road». Das Setting? Erst mal ziemlich klassisch, wenn auch ungewohnt für einen Hexen-Plot: Noir-Detektivgeschichte. Agnes O’Connor – oder Agatha, wie wir sie kennen – ist in der Stadt Westview gefangen, die uns aus «WandaVision» ja schon mehr als vertraut ist. Nur diesmal ist Agatha (zunächst) keine Hexe, sondern eine Polizistin, die von einem mysteriösen Mordfall besessen ist. Alles riecht nach Krimi, rauchig, düster, stimmungsvoll. Es dauert eine Weile, bis Agatha realisiert, dass sie unter einem Zauber stand – einem, der sie seit Jahren an diese Rolle gefesselt hat.
Die erste Episode fesselt, keine Frage. Sie baut Spannung auf, bringt Agatha in eine völlig neue Rolle, und dann – der Kniff: Das Mordopfer, auf das sie so fixiert ist, entpuppt sich als niemand Geringeres als Wanda Maximoff. Spätestens hier wird uns klar: Wir stehen wieder mitten im Marvel-Mysterium.
Die zweite Folge, «Circle Sewn with Fate/Unlock Thy Hidden Gate», bringt uns dann schon richtig auf die „Witches' Road“. Agatha wurde aus ihrem Bann befreit – und nun? Als nächstes braucht sie ihre Kräfte zurück und wird dabei viele Prüfungen bestehen müssen. Eine herrliche Idee. Und bevor sie loslegen kann, braucht sie noch mehr Hexen – geboren werden die schrägen Nebenfiguren, die diese Geschichte noch brauchen wird.

Die Schauwerte sind, wie erwartet, brillant. Disney lässt sich nicht lumpen. Die visuellen Effekte, die Verwandlungen, die magischen Momente – all das ist auf einem Niveau, das man von den großen Marvel-Produktionen gewohnt ist. Agathas Hexerei wird in Szene gesetzt wie ein eigens komponiertes Ballett aus Rauch, Licht und Farben. Auch die Settings strotzen nur so vor Detailverliebtheit.

Unterm Strich sind zumindest die ersten vier Episoden von «Agatha All Along» ein unterhaltsames Spektakel voller Magie, geheimnisvollen Charakteren und einer interessanten neuen Welt der Hexerei. Doch es fehlt an Kohärenz. Die Serie möchte viel auf einmal: Charakterdramen, düstere Hexenrituale, Marvel-Mystik – aber es gelingt nicht immer, alles elegant zu verweben. Agatha bleibt natürlich ein Highlight, und Kathryn Hahn spielt die Rolle wie gewohnt brillant. Dennoch: Die Serie könnte hier und da eine klarere Struktur und etwas mehr Fokus vertragen. Die magischen Momente sind da – aber sie sind manchmal schwer zu greifen inmitten des ganzen Trubels.
Die Serie «Agatha All Along» ist bei Disney+ zu finden.
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