Ein toter Schauspieler, zwei Doubles von Butsch und Viola und die erschütternde Missbrauchs-Geschichte einer jungen Frau.
Was hat Sie als Regisseur an dieser Geschichte besonders gereizt? Gab es bestimmte Themen, die Sie beim Dreh besonders herausstellen wollten?
Ich wollte den sexuellen- und den Machtmissbrauch herausstellen und die Mechanismen, die zu ihm führen, verdeutlichen. Es sollte aber trotzdem ein Krimi bleiben und eine Ermittlungsgeschichte zeigen. Die Herausforderung war, beides zu bedienen.
Der Film spielt mit der Idee von Doppelgängern und Identitätsfragen. Wie haben Sie diesen Aspekt inszeniert, um die Zuschauer zu fesseln?
Die Schauspieler auf einer Theaterbühne schlüpfen in eine Rolle, sobald sie aber die Bühne verlassen oder das Theaterlicht erlischt, sind sie wieder sie selbst. Die beiden Doubles unserer Kommissare sehen das nur als Job, Butsch fühlt sich aber seiner Identität beraubt. Spannend fand ich, wie der Regisseur und seine Regie-Assistentin und gleichzeitig Tochter mit dem Stück umgehen. Sie denkt ja, er hätte es geschrieben, während er uns und ihr alles vorgaukelt.
Welche Rolle spielt die Theaterwelt in der Erzählung, und wie haben Sie das Setting genutzt, um die Spannung zu erhöhen?
Die Theaterwelt in unserem Film will ja ein "True Crime Stück" auf die Bühne bringen, das sich an Butsch und Viola Delbrücks (Kessies) Arbeit orientiert. llerdings sind die Macher des Stücks überhaupt nicht wahrhaftig. Die Abhängigkeiten untereinander sorgen dafür, dass die vermeintliche Wahrhaftigkeit auf der Bühne auch nur gespielt ist, nur eine Behauptung. Dabei ist es spannend zu sehen, wer von wem abhängig ist bzw. wer wem etwas verheimlicht.
Wie war es, mit Götz Schubert und Yvonne Catterfeld zu arbeiten? Haben sie etwas Überraschendes oder Inspirierendes zur Produktion beigetragen?
Die beiden bieten jedes Mal gute Ideen an, viele davon verwenden wir dann so oder ähnlich. Meistens versuche ich zunächst, den Input der Schauspielenden mitzunehmen in die Probe am Set, daraus entsteht dann im besten Fall etwas Neues. Mit Yvonne und Götz arbeite ich eh gerne zusammen, weil sie nicht nur sehr gut spielen, sondern auch ganz tolle Menschen sind.
Die Reihe ist bekannt für ihre düstere Atmosphäre. Wie haben Sie diese visuelle Sprache in „Schwarzer Spiegel“ umgesetzt und vielleicht weiterentwickelt?
Mein Kameramann Niv Abootalebi und ich versuchten, die düstere Stimmung aus den Vorgängerfilmen weiterzutragen, aber ihr auch einen anderen Anstrich zu geben. Die drei Filme davor (Kamera: Timo Moritz) waren ja sehr spannend, aber inhaltlich ganz anders. Dieser Film hat nun ein paar skurrile Momente und generell etwas „normaleres“, er spielt in der Welt des Kulturbetriebs und soll nicht abgehoben daherkommen wie z.B. Mafiaboss Brad aus dem Film davor.
Für das Thema Machtmissbrauch ist es wichtig zu sagen: Das passiert jeden Tag irgendwo, das ist leider „normal“ und muss aufhören. Wir haben uns auch deswegen für einen Handkamera-Modus entschieden, der für den Zuschauer eher dokumentarisch aussieht, realitätsnah, nicht so abgefahren wie bei den Filmen davor.
Gab es während der Produktion besondere Herausforderungen oder Szenen, die besonders schwierig zu inszenieren waren?
Wir brauchten aufgrund des Drehbuchs viele Drehtage in einem Theater, fanden aber keines, was uns mit einem großen Team wochenlang aufgenommen hätte. Also wählten wir eine Eventlocation, die wir zum Theater umbauen mussten. Zuschauersaal, Bühne, Bühnenbild und Bühnenbeleuchtung - das kostet viel Geld und Zeit. Ca. ein Drittel des Films spielt dort, das waren ganze andere Voraussetzungen als in den Filmen davor, die draußen oder an kaputten Ruinen spielten.
Die Musik spielt eine wichtige Rolle bei der Stimmung. Wie haben Sie mit Andreas Weidinger zusammengearbeitet, um den Ton des Films zu treffen?
Wie bei den letzten Filmen bringt Andreas Weidinger ein fast schon unheimliches Maß an Motivation und Expertise mit. Wie ich möchte Andreas jeden Film neu denken. Klar, wir reden über eine Reihe, man muss die Erwartungen und Bedürfnisse der Zuschauer*innen erfüllen und bedienen - aber man darf sie auch geschickt brechen und verändern, um etwas Neues zu erschaffen. Dann hatte ich die Idee mit den Klangschalen (oder war es Andreas?) und wir haben teilweise eine neue Klangwelt reingebracht. Das hat wieder sehr viel Spaß gemacht, und Andreas hat wieder weit über das „normale“ Maß hinaus gearbeitet.
Gab es einen Moment während der Dreharbeiten oder eine Szene, die Ihnen besonders naheging oder die Sie persönlich berührt hat?
Die Suizidszene im Badezimmer mit der toll spielenden Anouk Elias war schon hart. Mit geht das immer nah und zieht die ansonsten gute Laune beim Dreh natürlich runter. Und als am selben Drehtag noch die Scheibe in der Wohnungstür, gegen die „Hanna“ im Film schlägt, in 1000 Teile zersprang, war der Tag gelaufen. Zum Glück hat sich niemand verletzt und wir konnten noch alles Nötige drehen.
Was wünschen Sie sich, dass die Zuschauer aus „Schwarzer Spiegel“ mitnehmen? Gibt es eine Botschaft oder einen Gedanken, der Ihnen besonders wichtig ist?
Außer dem Appell, dass sich viele Männer überdenken und ihre misogyne Grundeinstellung ändern müssen? Vor allem sollten Väter ihre Söhne so erziehen, dass sie nicht zu Tätern werden und ihre Mitmenschen, egal welchen Geschlechts, so behandeln wie sie selber behandelt werden wollen. Das versuche ich auch bei meinen Söhnen.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«Wolfsland» ist am Donnerstag, den 27. Februar 2025, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.
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