Filme des Grauens

«Culpa Mia»

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Die toxische Komödie war zwar nicht besonders gut, hatte aber tolle Aufrufzahlen. Das führte dazu, dass es zahlreiche Fortsetzungen gab.

Es gibt Filme, die so schlecht sind, dass sie schon wieder Kultstatus erreichen. Und dann gibt es Filme wie «Culpa Mía» («My Fault»), die zwar miserabel sind, aber dennoch ein unfassbarer Erfolg werden. Amazon Prime Video veröffentlichte den spanischen Film am 8. Juni 2023 – und er wurde zur meistgesehenen nicht-englischen Produktion des Streaming-Dienstes. Wie konnte das passieren?

«Culpa Mía» basiert auf einem Wattpad-Roman von Mercedes Ron, der später als Buchtrilogie bei Penguin Random House veröffentlicht wurde. Die Geschichte dreht sich um die 17-jährige Noah, die mit ihrer Mutter bei deren neureichem Ehemann einzieht – und dort auf ihren neuen Stiefbruder Nick trifft. Zwischen den beiden entspinnt sich eine toxische Liebesgeschichte voller Gewalt, Eifersucht, illegaler Autorennen und übertriebener Dramatik.

Das größte Problem des Films liegt im Drehbuch: Die Handlung ist absurd konstruiert und voller Klischees. Regisseur Domingo González inszeniert das Ganze mit übertriebenem Pathos, als sei es die düsterste Liebesgeschichte aller Zeiten – dabei ist der Plot nicht mehr als ein schlechter Teenager-Fanfiction-Film. Trotz der hölzernen Dialoge und der vorhersehbaren Story wurde der Film millionenfach gestreamt. Das liegt vor allem an der enormen Wattpad-Fangemeinde der Vorlage. Wer die Bücher mochte, wollte auch den Film sehen – egal wie schlecht er war.

Die Antwort ist einfach: Weil es sich finanziell gelohnt hat. Wattpad-Geschichten haben eine riesige Fangemeinde, die sich perfekt für Streaming-Dienste eignet. Zudem war der Film vergleichsweise günstig produziert und bot alles, was Teenager auf Social Media lieben: eine toxische Romanze, hübsche Hauptdarsteller und dramatische Musikmontagen. Während Netflix und andere Anbieter in aufwendige Prestige-Projekte investierten, setzte Amazon auf einen simplen Crowd-Pleaser. Dass der Film objektiv schlecht war, spielte keine Rolle – Hauptsache, die Klickzahlen stimmten.

Domingo González, der für die Regie und das Drehbuch verantwortlich war, durfte trotz der massiven Kritik an «Culpa Mía» auch die beiden Fortsetzungen inszenieren: «Culpa Tuya» (2024) und «Culpa Nuestra» (2025). Obwohl die Kritiken weiterhin schlecht waren, lieferten beide Filme erneut starke Streaming-Zahlen. Autorin Mercedes Ron blieb dem Wattpad-Universum treu und veröffentlichte weitere Romane mit ähnlicher Thematik. Ihr Erfolg zeigt, dass die Nachfrage nach toxischen Teenager-Dramen weiterhin groß ist.

Amazon ließ es sich nicht nehmen, noch eine Schippe draufzulegen: 2025 wurde ein englischsprachiges Remake unter dem Titel «My Fault: London» veröffentlicht. Regie führten Dani Girdwood und Charlotte Fassler, die Hauptrollen übernahmen Asha Banks und Matthew Broome. Trotz einiger Änderungen im Setting blieb die Geschichte ähnlich absurd – aber die Streaming-Zahlen blieben stabil. «Culpa Mía» ist der Beweis, dass Qualität und Erfolg nicht immer zusammenhängen. Der Film ist schlecht geschrieben, schlecht inszeniert und voller toxischer Botschaften – aber genau das scheint das Publikum zu lieben. Amazon hat hier ein Franchise geschaffen, das trotz mieser Kritiken ein weltweiter Erfolg wurde.

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