
Der Medientheoretiker Rushkoff verfolgt die Internetrevolution seit Jahrzehnten und hat sich lange im Kreis der Vordenker und kreativen Zerstörer bewegt. In einer Zeit, in der Elon Musk und Peter Thiel sich immer stärker in die Politik einmischen, rekonstruiert er, wie aus der Aufbruchstimmung der 1990er Jahre ein Programm aus Angst und Größenwahn werden konnte. Viele Tech-Unternehmer wollen uns Normalsterbliche einfach hinter sich lassen, werden aber als Visionäre gefeiert. Angesichts der Verwerfungen, die ihre Geschäftsmodelle produzieren, müssen wir uns von ihrem Mindset befreien - denn mitnehmen werden sie uns auf ihrem Exodus sicher nicht. Sie bereiten sich auf das Ende der Welt vor, aber nicht auf die Rettung, sondern auf den Rückzug in luxuriöse Bunker. Immer mehr Unternehmen investieren in Panikräume statt in zukunftsfähige Lösungen. Ein Phänomen, das nicht nur wirtschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Fragen aufwirft.
Das jüngste Werk des amerikanischen Autors und Medienwissenschaftlers Douglas Rushkoff beginnt mit einer Anekdote. Als er von Investmentbankern zu einem Vortrag über die „Zukunft von Technik und Technologien“ eingeladen wird, entpuppt sich die Veranstaltung vor Ort als Fragerunde in einem Luxusresort mit fünf Superreichen. Schnell wird klar, worum es ihnen geht. Überzeugt davon, dass der Zusammenbruch unserer Welt durch Umweltkatastrophen, soziale Unruhen, nukleare Katastrophen, Viren oder Computerhacks nicht mehr aufzuhalten ist, wollen sie von Rushkoff Tipps für alle Fälle. Unter anderem musste er mit den Milliardären darüber sprechen, wie man seine Leibwächter davon abhalten kann, ihren Arbeitgeber zu töten, wenn die Welt untergeht. Das verbindet die Milliardäre im Silicon Valley: der Glaube, dass Geld jede Katastrophe überlebt. Der Autor nennt das „The Mindset“, ein Denken, das vor allem darin besteht, sich selbst für den Nabel der Welt und alle anderen für potenzielle Bedrohungen zu halten.
Rushkoff lehnt es zwar ab, einen Plan zur Rettung der Welt vorzulegen, aber er ist sich sicher, dass es noch nicht zu spät ist, die Welt zu retten, und dass wir mit kleinen und großen Veränderungen den Klimawandel und die Zerstörung der Natur beeinflussen können. Aber es ist jetzt an der Zeit, damit anzufangen, sonst könnte es tatsächlich zu spät sein.
Das Buch „Survival of the Richest“ ist in der englischen Originalausgabe am 6. September 2022 bei Norton & Company erschienen und wird voraussichtlich am 24. Februar 2025 in der deutschen Originalausgabe bei Suhrkamp erscheinen. Es kostet 22,00 Euro und wurde von Stephan Gebauer ins Deutsche übersetzt. Der Autor Douglas Rushkoff, geboren 1961, ist Professor für Medientheorie und digitale Wirtschaft am Queens College der City University New York. Er gilt als einer der Vordenker, aber auch als einer der schärfsten Kritiker digitaler Entwicklungen. Er ist Autor zahlreicher Bücher und prägte die Begriffe „viral gehen“ sowie „Digital Natives“.
Markt und Mittelstand: „‚Survival of the Richest‘ ist eine brillante Abrechnung mit einer Denkweise, die uns alle gefährdet. Und eine Erinnerung daran, dass wir die Probleme dieser Welt nicht überleben können, wenn wir sie nicht gemeinsam lösen. Ein unsichtbarer Panikraum ist kein Ersatz für ein gutes Gespräch mit den Nachbarn.“
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