Zunächst haben Katharina und ihr Kollege Georg es mit einem Suizid und einem Vergewaltigungsfall zu tun. Schnell stellt sich heraus, dass die beiden Fälle wohl zusammenhängen. Als dann Katharinas Mann in den Kreis der Verdächtigen gerät, versucht sie das erstmal zu verheimlichen, aber das geht natürlich schief.
In dieser Episode ist Katharina nicht nur als Ermittlerin gefordert, sondern auch persönlich betroffen, da ihr eigener Mann in den Fall verwickelt ist. Wie verändert das ihre Herangehensweise?
Für Katharina ist das natürlich ein Albtraum. Was kann und darf sie glauben? Was traut sie ihrem Mann zu? Wem kann sie sich anvertrauen? Was sollte ihr nächster Schritt sein und zerstört die Wahrheit vielleicht ihr Leben? Sie steckt in einem nervenaufreibenden Zwiespalt zwischen Pflicht und Loyalität und fragt sich, ob sie vielleicht sogar selber eine Schuld trägt, falls es Volker wirklich war, da sie seine Gewaltausbrüche ja bisher gedeckt hat.
Katharina ist eine taffe Kommissarin, doch dieser Fall bringt sie emotional an ihre Grenzen. Wie haben Sie sich auf diese besonders intensiven Szenen vorbereitet?
Für mich besteht die Vorbereitung darin, sich in Buch und Geschichte sehr gut auszukennen und mit den Konflikten und Gedanken der Figur schwanger zu gehen. Wie die intensiven Momente dann aussehen und was das mit mir macht, entsteht in dem Moment, in dem wir die Szene drehen. Für mich ist das ein schönes Gefühl von Freiheit, mich ganz und gar auf die Situation einzulassen und zu schauen, was im Spiel entsteht. Ich liebe es, mich und die anderen zu überraschen und überrascht zu werden.
Die Ermittlungen drehen sich um einen Serienvergewaltiger – ein sehr sensibles und schwieriges Thema. Wie bringt man einen solchen Stoff den Zuschauern näher?
Im besten Fall identifizieren sich die Zuschauer mit meiner Figur und blicken durch Katharinas Augen auf das Geschehen. Die Tat an sich steht bei uns nicht im Vordergrund, sondern Katharinas Umgang mit der Situation und die Abgründe, in die sie verwickelt wird.
Zwischen Katharina und ihrem Mann Volker gibt es in dieser Episode viele konfliktreiche Szenen. Wie war die Zusammenarbeit mit Florian Stetter, der Volker spielt?
Auch die Dreharbeiten zu unserem dritten Film liefen sehr harmonisch. Ich bin total dankbar, dass Florian Stetter meinen Mann spielt, weil wir als gutes Team funktionieren. Gerade in gewaltvollen Szenen ist es unglaublich wichtig, beieinander zu sein, dem anderen zu vertrauen und sich in ihn oder sie hineinversetzen zu können. Es stimmt, in diesem Film gibt es sehr viele konfliktvolle Szenen zwischen den beiden, das Ganze ist ein einziger riesiger Konflikt, und das, was es so spannend macht zu spielen und hoffentlich zu gucken, ist, dass die Basis dennoch Liebe zwischen Katharina und Volker ist.
Nach drei Filmen – was lieben Sie besonders an der Rolle der Katharina Tempel? Gibt es Aspekte an ihr, mit denen Sie sich persönlich identifizieren können?
Ich habe diese Figur sehr ins Herz geschlossen. Sie ist selbstbewusst und stark und gleichzeitig so verwundbar und zerrissen. Ich kann mich mit ihrer Empathie identifizieren, ihrer Liebe zu Arbeit und Familie und ihrer Offenheit anderen gegenüber. Als Schauspielerin identifiziere ich mich allerdings immer mit meinen Figuren, versuche, sie zu verstehen und gern zu haben – ich will ja, dass sie dem Zuschauer nicht fremd bleiben. Natürlich ist das herausfordernd, wenn die Figuren Dinge tun, die ich niemals tun würde und Denkweisen haben, die nicht die meinen sind. Aber es wäre ja langweilig, nur mich selbst spielen zu dürfen.
Die Krimi-Reihe hebt sich von anderen Formaten durch ihre Mischung aus klassischem Krimi und persönlichen Dramen ab. Was macht «Katharina Tempel» für Sie einzigartig?
Von Anfang an war mir sehr wichtig, dass der persönliche Strang viel Raum einnimmt. Ich freue mich, dass das geklappt hat und in diesem Film die Grenze zwischen Beruf und Privatleben sogar komplett verschwindet. Außerdem gefällt mir, dass Katharina ihre Arbeit als so erfüllend empfindet und so viel Freude beim Ermitteln hat. Und dass ich den Song für den Abspann singe.
Hamburg als Schauplatz spielt eine große Rolle in der Reihe. Gibt es Drehorte, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind? Oder gibt es Orte, an denen Sie gerne drehen möchten?
Toll ist Katharinas Wohnung mit riesiger Fensterfront direkt an der Elbe, in die wir im zweiten Film sogar reingesprungen sind. Grundsätzlich gefällt es mir, an Orten zu drehen, die mir sonst verborgen bleiben würden. Hausboote zum Beispiel oder auch unser Kommissariat, das sich auf dem Dach eines Parkhauses mitten in der Hamburger Innenstadt befindet. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, fände ich es aber auch sehr lustig, an einem mir extrem vertrauten Ort zu drehen: dem Thalia Theater.
Was war die größte Herausforderung während der Dreharbeiten zu diesem Film? Gab es eine Szene, die Ihnen besonders im Kopf geblieben ist?
Bei dieser Geschichte war es mir sehr wichtig, genau zu wissen, wann Katharina an welchem Punkt steht und warum. Jede Information, jede kleine Wendung macht was mit ihr, es ist ein Wechselbad der Gefühle, ihre ganze Welt gerät Stück für Stück ins Wanken. Für mich war das ein bisschen wie ein Labyrinth in einem Turm aus Bauklötzen, der sich langsam aufbaut und jeden Moment einzustürzen droht. Besonders in Erinnerung ist mir zum Beispiel die Szene mit Katharinas und Volkers Therapeutin geblieben, in der Katharina das erste Mal den ungeheuerlichen Verdacht ausspricht, dass ihr Mann die Tat begangen haben könnte. Nicht nur, dass ihr diese Vorstellung das Herz bricht und sie sich schwere Vorwürfe macht – ihr gegenüber sitzt auch noch eine direkt Betroffene. Ach, ich will nicht zu viel verraten – ich freu mich, wenn Sie den Film gucken!
Nach drei Filmen mit Katharina Tempel – wie geht es für die Reihe weiter? Gibt es schon Pläne für einen vierten Teil?
Ja, es geht weiter. Dieses Jahr drehen wir nicht, aber Anfang 2026 werden wir dann zwei neue Filme hintereinander drehen, und ich freue mich jetzt schon riesig drauf.
Danke für Ihre Zeit!
Katharina Tempel. Was wir begehren» ist am Freitag, den 4. April 2025, bei arte zu sehen.
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