«Tatort: Fiderallala»
- REGIE: Isa Prahl
- DREHBUCH: Regine Bielefeldt
- PRODUKTION: Jan Kruse
- MUSIK: Kerim König, Christian Biegai
- KAMERA: Anne Bolick
- SCHNITT: Daniel Scheuch
- BESETZUNG: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, ChrisTine Urspruch, Claus Dieter Clausnitzer, Tiesan-Yesim Atas, Mechthild Großmann, Björn Meyer, Meira Durand, Bineta Hansen
So wundert sich Thiel nicht schlecht, als Boerne sich im Verlauf der Ermittlungen auffallend freundlich ihm gegenüber verhält. Dafür muss es doch einen Grund geben! Und ja, den gibt es – und er hat mit der Party zu tun, zu der Boerne Thiel überredet hatte. Der hatte eigentlich wenig Lust, nach Feierabend noch das Haus zu verlassen, doch am Ende findet er sich auf der Feier wieder – und hat wider Erwarten sogar Spaß.
Boerne ebenfalls, allerdings übertreibt er es ein wenig. Derart, dass bald Videos auftauchen, die ihn als hemmungsloses Feierbiest zeigen. Der Professor, der sich kaum noch an den Abend erinnert, fühlt sich von Thiel im Stich gelassen und trifft eine Entscheidung, die sich, wenn sie umgesetzt wird, negativ auf ihr gegenseitiges Verhältnis auswirken dürfte. Ja, Boerne ist enttäuscht – Thiel hätte doch eingreifen müssen! Doch dann erfährt er, dass er über Nacht zum beliebtesten Professor der Uni mutiert ist. Seine Studenten sind positiv überrascht, dass ihr sonst so korrekter, unnahbarer und mit Bildungsbürgerweisheiten nicht gerade zurückhaltender Prof auch mal das Labor Labor sein lassen kann – und eine echte Partygranate ist. Respekt, Professor Boerne! Hätte Thiel ihn gebremst, wäre ihm diese Ehre kaum zuteilgeworden.
Und genau hier beginnt Boernes Dilemma: Er hat gegenüber Thiel einen Prozess in Gang gesetzt, den er nun nicht mehr stoppen kann.
Krimi?

So gibt es etwa eine Studentin, die behauptet, das Opfer ermordet zu haben. Sie ist zweifelsfrei von ihrer eigenen Schuld überzeugt, dabei kann Boerne nicht einmal belegen, dass es sich tatsächlich um einen Mord handelt. Es gibt Spuren, die selbst ihn vor ein Rätsel stellen. Dann ist da eine Therapeutin, deren Tochter an Boernes Institut studiert und die sich mit einer Spur zu viel Vehemenz vor ihre Tochter stellt. Und schließlich haben nicht wenige Studenten an dem Abend offenbar etwas zu tief ins Glas geschaut – die Anzahl der Filmrisse ist jedenfalls beeindruckend hoch.
Die Probleme der Kriminalhandlung nehmen mit einem zweiten Mord Fahrt auf – und genau an diesem Punkt wird das «Tatort»-Banner „das gesellschaftlich relevante Thema der Woche“ auf der Mattscheibe entrollt. Denn einfach mal ein klassischer Mord aus Gier, Rache oder weil jemand wieder die Fernbedienung des Blu-ray-Players verbummelt hat? Nein, so simpel darf es nicht sein. Stattdessen rückt das Thema Wohnungsnot ins Zentrum der Ermittlungen.
Der erste Tote hatte Zugang zur internen Wohnungsbörse der Uni – einer wertvollen Ressource in einer Stadt, in der „Wohnung frei“ ungefähr so häufig zu lesen ist wie „Goldbarren zu verschenken“. War er vielleicht in eine brisante Vergabe verwickelt? Hatte jemand das Nachsehen und ließ seiner Wut freien Lauf? Ein stichhaltiges Motiv liegt also durchaus auf dem Tisch.
Doch mit dem zweiten Mord gerät der Kriminalfall ins Straucheln. Während sich in der ersten Hälfte Humor und Spannung noch elegant die Klinke in die Hand geben, verliert sich die Geschichte danach in unplausiblen Wendungen. Die Ermittlungen mäandern ziellos umher, als wüsste dieser «Tatort» selbst nicht mehr so genau, wo er eigentlich hin will.
Was bleibt, ist das unbestreitbare Vergnügen, den beiden Hauptdarstellern zuzusehen. Ihr spielfreudiges Hin und Her, das mal als routiniert eingespieltes Ping-Pong funktioniert und mal eher die Slapstick-Keule auspackt, hält den Film zusammen und kaschiert so manche erzählerische Unsauberkeit. Gerade wenn die Handlung ins Schlingern gerät oder sich in wenig überzeugenden Wendungen verliert, sorgen Thiel und Boerne mit ihrer Dynamik dafür, dass man trotzdem dranbleibt.
So bleibt am Ende ein Krimi, der vielleicht nicht durchweg überzeugt, aber dennoch unterhält – zumindest solange man nicht zu genau auf die Logik achtet. Wer eine wasserdichte Geschichte mit präzise konstruierten Motiven und lückenloser Ermittlungsarbeit erwartet, wird hier eher fündig in der Rubrik „Na ja, lassen wir mal durchgehen“. Wer sich jedoch einfach mitreißen lässt und sich auf den gewohnt humorvollen Schlagabtausch des Münsteraner Ermittlerduos einlässt, bekommt einen unterhaltsamen Film, der zwar nicht in die «Tatort»-Annalen eingehen wird, aber doch für einen kurzweiligen Abend taugt.
Am 6. April 2025 im Ersten, 20:15 Uhr
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