VOD-Charts

Live-Sport dominiert neue AGF-Streamingmessung

von

Mit dem „AGF Census+“ lassen sich tagesaktuelle Streamingdaten erheben. Aktuell gibt die AGF Videoforschung der Öffentlichkeit nur eine monatliche Topp25-Liste an die Hand. Was hat es damit auf sich?

An den täglichen Auswertungen der AGF Videoforschung lässt sich ablesen, dass seit Jahren die Reichweiten der linearen TV-Sender rückläufig sind. Die Fragmentierung des Medienkonsums ist einer der Gründe, dass nicht mehr so viel lineares Fernsehen geschaut wird wie früher. Ein Problem des linearen Fernsehens ist auch, dass Streamingdienst mit ihren werbebasierten Abos immer größere Teile des Werbemarktes abgreifen. Meist sind über die Abrufzahlen bei den Streamern aber kaum Zahlen verfügbar – im Falle von Netflix erhebt das Unternehmen die Daten selbst und gibt diese aus.

Die AGF hat nun den „AGF Census+“ eingeführt, um auf den Wandel im Nutzungsverhalten hin zu Streamindiensten zu reagieren. Der „AGF Census+“ wird wie die bislang erhobene TV-Quote täglich erhoben, die AGF gibt der der breiten Massen allerdings nur eine monatliche Top25-Liste aus. Laut der offiziellen Definition der AGF ist AGF Census+ eine webbasierte Software zur Auswertung von Streamingleistung (Views in Mio.) auf Zensusbasis für die Zielgruppe „Zuschauer gesamt in Deutschland“. Die Daten werden auf Einzelvideo-, Publisher- und Ausspielplattformebene bereits am Folgetag zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zur Programmmarken-Auswertung, bei der verschiedene Inhalte unter einem gemeinsamen Markennamen zusammengefasst werden, misst Census+ gezielt die Nutzung einzelner Videos, was präzisere Einblicke in spezifische Inhalte ermöglichen soll.

Die Census+-Listen, die immer zum Monatsanfang veröffentlicht werden und dadurch Sendungsfolgen bevorteilen, die am Anfang eines Monats erscheinen, ersetzen die bisherigen Konvergenzhitlisten und bieten einen Überblick über die leistungsstärksten Videos, sortiert nach Anzahl der Views (in Mio.), anbieterübergreifend für den vergangenen Monat. Berücksichtigt werden alle Einzelvideos, also VOD und Event-Livestreams (einschließlich Web-Only-Formaten) ab einer Nutzungsschwelle von 1.000 Views im jeweiligen Monat.

In der Top25 für den Monat März 2025 fällt auf, dass von den zehn meist-abgerufenen Sendungen die Hälfte auf König Fußball fällt. Am erfolgreichsten war das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen, das DAZN 2,19 Millionen Views bescherte. Wie hoch die Abrufzahlen des Rückspiels am 11. März waren, geht aus der Liste nicht hervor, da die AGF Plattformen wie Netflix und Prime Video (noch) nicht in die Messung einbezieht. Dies ist nach wie vor ein großer Nachteil der AGF, da die US-Streamer selbstverständlich auch auf dem deutschen Markt stark genutzt werden. Dadurch geht ein großes Maß an Vergleichbarkeit verloren.

So darf bislang vor allem die DAZN-Gruppe über hohe Abrufzahlen jubeln, denn das Rückspiel zwischen Lille und Borussia Dortmund (1,62 Mio.) belegte Platz zwei und das Parallel-Spiel Atletico Madrid – Real Madrid, das im Elfmeterschießen entschieden wurde, erreichte Rang vier mit 1,40 Millionen Views. Da beim „AGF Census+“ Videostarts gemessen werden, dürften vermutlich viele Zuschauer nach dem Dortmund-Anpfiff auf das Madrider Stadtderby gewechselt haben und so die Zahlen in die Höhe getrieben haben. Mehrfache Abrufe durch dieselbe Person werden als separate Views gezählt

Ein weiteres Problem der Methode zeigt sich bei der Betrachtung des achten Platzes, der an die ARD geht für den sogenannten „Event-Livestream“ des Nation-League-Spiels zwischen Italien und Deutschland, der am 20. März 1,21 Millionen Mal aufgerufen wurde. 24/7-Livestreams der Sender werden nicht berücksichtigt, was den Vergleich mit linearen TV-Zahlen erschwert. Um dennoch die Einzelübertragungen via Livestream abzubilden, müssen die Sender sogenannten Event-Livestreams einführen. Die ARD tat dies beim Hinspiel des Länderduell, RTL wiederum nicht, sodass das spektakuläre 3:3-Unentschieden im Rückspiel nicht in der Liste auftaucht.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie hoch der Erfolg von «Big Brother» zu werten ist. Im linearen Fernsehen ist die tägliche sixx-Show ein Ladenhüter. Der 24/7-Livestream auf Joyn taucht in der Liste auf Platz 14 auf mit 1,06 Millionen Views. In diese Zählung geht jedoch der gesamte Monat März ein, denn der Start erfolgte bereits Ende Februar. Allein die ersten fünf Folgen von «Das Sommerhaus der Normalos» generierten zusammengerechnet sechs Millionen Views, wobei auf die zweite Folge allein 1,51 Millionen Views fielen. Deutlich erfolgreicher für Joyn als «Big Brother» erwies sich «Promis unter Palmen», das mit vier Episoden in den Top25 vertreten ist. Die linearen Quoten der Sat.1-Reality fallen in der Regel niedriger aus. Dies zeigt, dass Reality-TV nach wie vor eine Goldgrube für die Streamingdienste darstellt und dauerhaft hohe Abrufzahlen abwerfen.

Auf der nächsten Seite lesen Sie die Top25-Liste für März 2025.

vorherige Seite « » nächste Seite

Kurz-URL: qmde.de/160187
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelNeue «Pop Giganten»-Ausgabe befasst sich mit Matthias Reimnächster ArtikelRundschau: Ärztedrama «Pulse» könnte funktionieren
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Optionen

Drucken Merken Leserbrief




E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung