
Die AGF hat nun den „AGF Census+“ eingeführt, um auf den Wandel im Nutzungsverhalten hin zu Streamindiensten zu reagieren. Der „AGF Census+“ wird wie die bislang erhobene TV-Quote täglich erhoben, die AGF gibt der der breiten Massen allerdings nur eine monatliche Top25-Liste aus. Laut der offiziellen Definition der AGF ist AGF Census+ eine webbasierte Software zur Auswertung von Streamingleistung (Views in Mio.) auf Zensusbasis für die Zielgruppe „Zuschauer gesamt in Deutschland“. Die Daten werden auf Einzelvideo-, Publisher- und Ausspielplattformebene bereits am Folgetag zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zur Programmmarken-Auswertung, bei der verschiedene Inhalte unter einem gemeinsamen Markennamen zusammengefasst werden, misst Census+ gezielt die Nutzung einzelner Videos, was präzisere Einblicke in spezifische Inhalte ermöglichen soll.

In der Top25 für den Monat März 2025 fällt auf, dass von den zehn meist-abgerufenen Sendungen die Hälfte auf König Fußball fällt. Am erfolgreichsten war das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale zwischen dem FC Bayern München und Bayer 04 Leverkusen, das DAZN 2,19 Millionen Views bescherte. Wie hoch die Abrufzahlen des Rückspiels am 11. März waren, geht aus der Liste nicht hervor, da die AGF Plattformen wie Netflix und Prime Video (noch) nicht in die Messung einbezieht. Dies ist nach wie vor ein großer Nachteil der AGF, da die US-Streamer selbstverständlich auch auf dem deutschen Markt stark genutzt werden. Dadurch geht ein großes Maß an Vergleichbarkeit verloren.

Ein weiteres Problem der Methode zeigt sich bei der Betrachtung des achten Platzes, der an die ARD geht für den sogenannten „Event-Livestream“ des Nation-League-Spiels zwischen Italien und Deutschland, der am 20. März 1,21 Millionen Mal aufgerufen wurde. 24/7-Livestreams der Sender werden nicht berücksichtigt, was den Vergleich mit linearen TV-Zahlen erschwert. Um dennoch die Einzelübertragungen via Livestream abzubilden, müssen die Sender sogenannten Event-Livestreams einführen. Die ARD tat dies beim Hinspiel des Länderduell, RTL wiederum nicht, sodass das spektakuläre 3:3-Unentschieden im Rückspiel nicht in der Liste auftaucht.
In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wie hoch der Erfolg von «Big Brother» zu werten ist. Im linearen Fernsehen ist die tägliche sixx-Show ein Ladenhüter. Der 24/7-Livestream auf Joyn taucht in der Liste auf Platz 14 auf mit 1,06 Millionen Views. In diese Zählung geht jedoch der gesamte Monat März ein, denn der Start erfolgte bereits Ende Februar. Allein die ersten fünf Folgen von «Das Sommerhaus der Normalos» generierten zusammengerechnet sechs Millionen Views, wobei auf die zweite Folge allein 1,51 Millionen Views fielen. Deutlich erfolgreicher für Joyn als «Big Brother» erwies sich «Promis unter Palmen», das mit vier Episoden in den Top25 vertreten ist. Die linearen Quoten der Sat.1-Reality fallen in der Regel niedriger aus. Dies zeigt, dass Reality-TV nach wie vor eine Goldgrube für die Streamingdienste darstellt und dauerhaft hohe Abrufzahlen abwerfen.
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