ProSieben wärmt seine «Popstars» noch einmal auf, ehe in Kürze die neue Staffel startet. Der Traum, ein Star zu sein, scheint nach wie vor in den Köpfen vieler ungebrochen zu sein. Die Auswirkungen werden dabei oft unterschätzt.

„Ich bin total daneben. Seit meinem Auftritt klingelt das Telefon pausenlos. Leute beschimpfen und bedrohen mich“, sagte der Kandidat wenige Tage nach der Fernsehausstrahlung, nachdem drei Jugendliche die Haustür seines Elternhauses eingeschlagen hatten. Sein Fazit nach den turbulenten Tagen: „Ich nehme nie wieder an einer Castingshow teil.“ Die Einsicht kam für ihn zu spät – wohl für immer werden Beleidigungen zu seiner Person im Internet zu finden sein. „Vollspast“ und „Super-Depp“ sind nur einige der Ausdrücke, die sich der junge Mann gefallen lassen musste. Vielleicht ist es notwendig, die Kandidaten künftig besser zu schützen, schließlich wissen viele noch immer nicht, welchen medialen Drucks sie sich durch ihr Auftreten vor einem Millionenpublikums mitunter aussetzen.
Dabei ist das Spielchen eigentlich ganz einfach: Wer keine Geschichten liefert, ist raus. Für viele Bewerber ist das inzwischen natürlich Teil des Konzepts – denn sie wissen nicht, was sie tun. Da verwundert es kaum, dass RTL seine «Superstar»-Kandidaten inzwischen nach bestimmten Rollen-Erwartungen auswählt, sodass die Show Tag für Tag im Gespräch bleibt – die Quoten geben dem Sender dabei recht. Und die Konkurrenz schläft nicht: „Von Fremdschämen hoch zehn, bis zum Ausnahmetalent war alles dabei“, erzählt Musikproduzenten Alex Christensen von seinen Castingeindrücken der neuen «Popstars»-Staffel. „Ich hatte teilweise Krämpfe vor Lachen. Die gesanglichen Leistungen waren so unterschiedlich. Das war mächtig, wie ein großer Schokoladenkuchen“, fügt Songwriterin Michelle Leonard an.
