Josh Berman darf sich nach all den Jahren der harten Arbeit glücklich schätzen. Zwar war seine Arbeit an «Crime Scene Investigation» zu keinem Zeitpunkt von seiner Pechsträhne betroffen, doch eigens erdachte Serien standen bis zum Erfolg von «Drop Dead Diva» nie in der Gunst des Publikums. «Deviant Behavior» wurde in «Killer Instinct» umbenannt und verschwand nach neun von 13 hergestellten Episoden von der Bildfläche. Ebenfalls für die Fox Broadcast Company kreierte Berman die Serie «Vanished», die gleichermaßen nach lediglich 13 Folgen zu Grabe getragen wurde. Auch die Körpertausch-Dramedy wurde für genannte Sendeanstalt produziert, wechselte letztlich allerdings zum so betitelten Frauenkanal Lifetime, der mit der ersten Staffel in ein Quotenglück verfiel und ein quotentechnisch schwaches Jahr beruhigend ausklingen ließ.

Deb Dobson ist ein aufsteigendes Model der Branche und mit ihrem Freund Grayson mehr als glücklich, während Jane Bingum, eine angesehene Anwältin mit Übergewicht und Stoffwechselproblemen zu kämpfen hat. Während Deb ihr Leben bei einem selbst verschuldetem Verkehrsunfall lassen muss, wird Jane von einem unzurechnungsfähigem Klienten ihres Cheffs angeschossen. Das oberflächliche Laufstegbiest findet sich in einer Zwischenwelt wieder, in der die Auswertung ihres Tuns auf Erden entscheidet, ob sie in die Hölle oder den Himmel einkehrt. Deb ist mit der Situation gänzlich unzufrieden und überlistet den Torwächter Fred kurzerhand, indem sie die Return-Taste betätigt, die sich zurück ins Leben befördert – Allerdings im Körper von Jane.
“Ich mach' mir Sorgen um dich.“ - “Ich mach' mir Sorgen um Afghanistan.“ Jane ist tot. Lang lebe Jane. Das inhaltlose Topmodel Deb behält die eigene Seele und deren Erinnerungen, kann jedoch den Intelligenzquotentien der verstorbenen Juristen ebenfalls nutzen – Abgesehen von dieser wenig störenden Ungereimtheit hat man sich mit der rasanten Tour durch das Fegefeuer und zurück einen wahren Gefallen getan: Dem Zuschauer wird keine Sekunde langweilig. Wie Deb den zuständigen Fred ohne zu Zögern mit sexuellen Gefälligkeiten besticht, um den lodernden Qualen zu entgehen, ist zudem überaus amüsant, ebenso wie der weitere Verlauf der Erzählung. Die Tatsache, dass Jane Opfer einer Kugel wurde, klärt augenblicklich die Frage nach dem Warum. Warum erinnert sich Jane an so vieles nicht mehr? Der ein oder andere Mitarbeiter mag sich zwar wundern, aber Amnesie auf Grund des erlittenen Schocks ist eine definitve Antwort.
Der Serie kommt zu Gute, dass die Darsteller weitgehend unbekannt sind. Die Namen Brooke Elliot, Kate Levering oder Jackson Hurst werden zumindest den Deutschen kein Begriff sein. Lediglich April Bowlby, die Debs Freundin Stacey verkörpert, könnte durch die Rolle der Kandi in der Sitcom «Two and a Half Men» einen gewissen Bekanntsheitsgrad erreicht haben. Die Schauspieler agieren demnach ohne den Druck einer Charakterisierung völlig frei. Ein weiterer Punkt ist die Leichtigkeit, mit deren Hilfe die Entwicklung voran getrieben wird. Torwächer Fred wird nach seiner Unaufmerksamkeit zum Schutzengel degradiert und als Bürobote ins Janes/Debs Kanzlei engagiert. Obwohl er der Abtrünnigen verdeutlicht, dass niemand von ihrem Schicksal erfahren darf, erzählt es diese ihrer Freundin Stacey, womit der typische Mitwisser geboren ist. Dass Debs große Liebe Grayson ebenfalls ein neuer Angestellter der Agentur ist, wirkt zum Teil etwas erzwungen, aber da es zu Lebzeiten des Models bereits erwähnt wurde, ist es zu verschmerzen und verleiht der Sendung den in Zukunft nötigen Schwung.

Dieser Artikel erschien erstmals im Januar 2010 zur deutschen TV-Premiere beim Bezahlsender FOX.