Film-Experte Sidney Schering beleuchtete die Entscheidungen der Academy Awards. Wer wurde zu Recht nominiert, wer nicht?
5 Ärgernisse bei den Nominierungen
- Keine Nominierung für Mélanie Laurent
Christoph Waltz’ Darstellung des SS-Standartenführers Hans Landa in «Inglourious Basterds» überschattete weitestgehend die Rezeption der anderen Schauspielleistungen in Tarantinos jüngster Produktion. Dabei gab auch die französische Schauspielerin Mélanie Laurent eine wundervolle Performance ab und spielte die Rolle der Shosanna Dreyfus mit sehr viel Ausdruckskraft. Dass sie bislang bei nahezu allen Preisverleihungen übergangen wurde, ist möglicherweise nicht allein der harten Konkurrenz zuzuschreiben, sondern auch der Politik hinter den Filmpreisen. Mit Empfehlungsanzeigen versuchen die Studios die Nominierungen zu lenken, und wie manche fragwürdigen Kategorienplatzierungen in der Vergangenheit zeigten, lenken die Studios vor allem bei den Schauspielerkategorien das Geschehen. Darsteller werden, je nachdem wo man sich die größeren Gewinnchancen verspricht, in der Haupt- oder Nebenkategorie vorgeschlagen. Ob Mélanie Laurent eine Haupt- oder Nebenrolle spielt, ist aufgrund der ungewöhnlichen Dramaturgie von «Inglourious Basterds» schwer zu bestimmen. In diesem Fall wäre eine klare Ansage der produzierenden Studios vielleicht sogar ganz hilfreich gewesen. Jedoch änderten The Weinstein Company und Universal nach einigen Monaten die Strategie und hoben Laurent von der Kategorie für Nebendarsteller zur weiblichen Hauptdarstellerin empor, weshalb sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Stimmen für sie über zwei Kategorien verteilten.
- Keine Nominierung für «Hangover»

- Keine Nominierung für «(500) Days of Summer»
Anders als «Hangover» gehörte «(500) Days of Summer» durchaus zu den Favoriten auf eine Nominierung für das beste Originaldrehbuch oder sogar als bester Film. Die anspruchsvolle, fröhliche Independent-Komödie gehörte zu den erfrischenderen Filmen des Jahres und erzählt vom Auf und Ab einer jungen Liebesbeziehung. Der besondere Clou an «(500) Days of Summer» ist seine Erzählperspektive: Nachdem seine Geliebte mit ihm Schluss machte, denkt der Protagonist über die gescheiterte Beziehung nach. Der Film bleibt in der Perspektive des Verlassenen und springt assoziativ von einem Fragment der Liebesbeziehung zum anderen. «(500) Days of Summer» ist eigentlich ganz Oscar-kompatibel, und umso mehr verwundert es, dass er völlig ausgeschlossen wurde.
- Keine Nominierungen für «Wo die wilden Kerle wohnen»

- Christoph Waltz erhält eine Nominierung als “Bester Nebendarsteller”
Der aufmerksame Leser wird jetzt sicherlich verwundert seinen Bildschirm anstarren. Die Nominierung des viel gelobten Österreichers soll ein Ärgernis darstellen?
Nun, in einer idealisierten Filmwelt durchaus. Tarantino selbst mag sich zwar in seinen Interviewaussagen über die Hauptfigur von «Inglourious Basterds» widersprechen, aber wenn man den Filmtitel und sämtlichen Starrummel außer Acht lässt, so gilt es zu notieren, dass Christoph Waltz’ Rolle Hans Landa ein bedeutsamer Motor für die Handlung ist und in den wichtigsten Szenen das Ruder ans ich reißt. Mit Landa beginnt der Film, er bildet den roten Faden in Tarantinos dramaturgische und strukturelle Konventionen ignorierenden Geschichte. Oft betonte der Kultregisseur, dass er «Inglourious Basterds» beinahe aufgegeben hätte, weil er ausgerechnet für diese Rolle nicht die geeignete Besetzung finden konnte, doch dann begegnete er Waltz. Eigentlich hätte Christoph Waltz eine Nominierung als bester Hauptdarsteller zugestanden, inklusive anschließendem Gewinn. Weil er dessen ungeachtet in Hollywood zuvor ein unbeschriebenes Blatt war und noch dazu einen Bösewicht spielt, landete er automatisch in der Nebenkategorie. Es war nicht einmal eine diese Richtung angebende Kampagne der Studios von Nöten. Schon bevor die ersten Webeanzeigen in Hollywoods Branchenblätter geschaltet wurden, erhielt Waltz die ersten Auszeichnungen als Nebendarsteller. Und das Studio wäre dumm gewesen, dies ändern zu wollen. Ausländische Darsteller sowie Bösewichter haben es in der Nebenkategorie wesentlich leichter zu gewinnen. Dennoch müsste Waltz im Filmparadies eigentlich den Preis für den besten Hauptdarsteller erhalten.