Weißt du noch?

Weißt du noch? Die WM 2006

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Seite 2
Einen Tag vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft schaut Quotenmeter.de zurück auf das Turnier vor vier Jahren, als die schönste Nebensache der Welt die Deutschen vier Wochen lang in Partystimmung versetzte.

Im Achtelfinale spielte dann das Team von Jürgen Klinsmann tatsächlich gegen Schweden, dem 2:0-Sieg wohnten indes 22,34 Millionen Bundesbürger bei. Eine Steigerung dieser Werte bot zunächst das Viertelfinale, das zur selben Zeit um 17:00 Uhr von 24,74 Millionen verfolgt wurde. Der Marktanteil lag bei beiden Begegnungen bei etwa 86 bis 88 Prozent, wobei insbesondere das Elfmeterschießen gegen die argentinische Nationalmannschaft sämtliche Programme auf anderen Sendeanstalten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden ließ. Für einen ganz besonderen Rekord sorgte dann noch die Begegnung gegen Italien im Halbfinale: Mit einer Reichweite von 29,66 Millionen Zuschauern sahen so viele Menschen zu wie seit Beginn der personenbezogenen Quotenmessung im Jahre 1992 noch nie. Tatsächlich aber dürfte die Partie von deutlich mehr Menschen verfolgt worden sein, denn die Public Viewing-Zuschauerzahl ist in diesen Messergebnissen nicht impliziert. Der Marktanteil lag an diesem Dienstagabend bei 84,1 Prozent, in der jungen Zuschauergruppe resultierten 84,5 Prozent aus 12,31 Millionen Zuschauern. Da jedoch das deutsche Team unglücklich in den Schlussminuten der Nachspielzeit verlor, sollte es keinen neuen Finalrekord geben.

Trotz allem zeigte das Volk auch im letzten Spiel der deutschen Mannschaft, wie sehr es sich mit dessen Fußballphilosophie identifizieren konnte. Obwohl es gegen Portugal nur um die goldene Ananas ging, ließen sich über drei Viertel der Bundeshaushalte diese Begegnung nicht entgehen. Die Reichweite lag im Schnitt bei 23,97 Millionen, in der Zielgruppe waren 9,57 dabei. Ein weiterer Quotenhit war dann natürlich auch das Finale zwischen Italien und Frankreich, das am Sonntagabend immerhin nochmal für die zweitbeste Reichweite des gesamten Turniers gut war. 25,88 Millionen Menschen sahen zu, aufgrund der sehr attraktiven Sendezeit waren dies aber lediglich 72,3 Prozent aller Fernsehenden.

Aber es gab aus medialer Hinsicht nicht nur positives Feedback zur WM-Übertragung. Weniger die Rahmenberichterstattung, als viel mehr die Kommentatorenleistungen wurden des Öfteren kritisch beurteilt. Kamen Gerd Gottlob, Bela Rethy und Premiere-Kommentator Marcel Reif (Foto) noch vergleichsweise glimpflich davon, schossen sich Fans und Kritiker insbesondere auf die RTL-Kommentatoren ein. Dem früheren Fußballspieler Pierre Littbarski, der bei der WM erstmals als Co-Kommentator bei einem großen Sender fungierte, wurde das dauernde Geplapper vorgeworfen, während Florian König nach Meinung vieler ein Phrasendrescher war. Am besten kam hier noch Tom Bartels weg, der zwar manchmal etwas blass kommentierte, aber dem man ansonsten seine Kompetenz anmerkte.

Auf Seiten der Öffentlich-Rechtlichen schoss man sich in erster Linie auf Reinhold Beckmann ein, sogar eine Internet-Petition wurde ihm gewidmet, in der erfolglos Stimmen gegen dessen Einsatz beim WM-Finale gesammelt wurden. Die Kompetenz von Wolf-Dieter Poschmann (Foto) wurde nicht angezweifelt, jedoch waren viele der Meinung, er quatsche die Spiele kaputt und sei bei der Leichtathletik deutlich besser aufgehoben.

Die Moderation bei der ARD übernahm zumeist Monica Lierhaus, die beim deutschen Volk den Ruf der besten Fachfrau im Sport innehält. Zudem durfte das kultige Paar Günther Netzer und Gerhard Delling wie üblich die Spiele analysieren, diese beiden sind auch in diesem Jahr, vielleicht zum letzten Mal in dieser Besetzung, im Einsatz. Besondere technische Leckerbissen hatten das ZDF und RTL im Repertoire, denn mit eigenen Seebühnen und Open Air-Studios vor Fanmeilen transportierten die beiden Sender die Stimmung auf den deutschen Straßen direkt zu den Fernsehzuschauern. Auch qualitativ fand ein Großteil des Volkes die Vor- und Nachberichterstattung auf diesen Sendern besser als beim Ersten, denn insbesondere das ZDF hatte mit Johannes B. Kerner, Urs Meier und Jürgen Klopp ein erfrischendes Trio zu bieten, bei dem man gerne einschaltete. RTL bot jedoch mit Günther Jauch und Rudi Völler ebenfalls ein schlagkräftiges Duo mit großer Fußballkompetenz.

Den Abend ausklingen ließen ARD und ZDF mit sehr seichter Unterhaltung. Während man beim Ersten auf gemütliche Stammtischatmosphäre bei «Waldis WM-Club» setzte, versuchte man es beim ZDF mit der nicht immer wirklich witzigen Comedysendung «Nachgetreten». Qualitativ wurden diese Formate nicht unbedingt geschätzt, die Zuschauerzahlen gaben den Programmverantwortlichen jedoch Recht. Während Waldemar Hartmann auch in diesem Jahr wieder seine Gesprächsrunden durchführen wird, verzichtet das Zweite Deutsche Fernsehen auf weitere Ausgaben von «Nachgetreten».

Auch in diesem Jahr werden insbesondere die drei glücklichen Free-TV-Sender sowie Bezahlsender Sky, die das Privileg genießen, Partien des größten Sportevents ausstrahlen zu dürfen, die Deutschen wieder in WM-Stimmung versetzen. Für vier Wochen werden sowohl Finanzkrise, als auch Ölpest oder Staatsschulden wieder in den Hintergrund treten, da sich die Menschen in erster Linie für König Fußball interessieren. Nicht umsonst betonte Bundestagspräsident Norbert Lammert augenzwinkernd, dass es bei der Terminierung der Wahl zum neuen Bundespräsidenten gelungen ist, "einen spielfreien Tag der Fußballweltmeisterschaft für dieses bedeutende Ereignis zu finden".

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