
Es darf jedoch angezweifelt werden, ob für den gebürtigen Leverkusener diese kampffreie Zeit wirklich eine pure Erholung war. Geprägt waren die letzten Monate nämlich oftmals eher von unschönen Schlagzeilen, denn Sturm musste sich aus dem Vertrag mit seinem Boxstall Universum herausklagen, dem er seit 2001 sehr gute Dienste erwies. Nachdem sein ehemaliger Promoter Klaus-Peter Kohl sich nur gegen eine Zahlung von rund drei Millionen dazu bereiterklären wollte, den Vertrag mit seinem Schützling aufzulösen, ging Sturm vor Gericht, wo man sich nach langem Tauziehen vor wenigen Monaten einigen konnte.
Dabei ist Kohl kein unbeschriebenes Blatt in dieser Hinsicht, denn zuvor mussten sich bereits die Klitschkobrüder aus ihrem Vertrag mit dem 66-Jährigen herausklagen. Wie die beiden Ikonen des Boxsports möchte sich auch Sturm nun selbst vermarkten und tritt zudem als eigener Veranstalter auf. Umso wichtiger für die eigene Vermarktung wird es deshalb für ihn sein, wie am Samstag die Quoten seines Titelkampfes gegen den Siebten der Weltrangliste, den 29-jährigen Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik, ausfallen.

Mit derartigen Einschaltquoten werden an diesem Wochenende wohl weder der deulich prominentere Boxer noch die Sendeanstalt wirklich zufrieden sein, geht es doch nach dem Ausstieg des Zweiten Deutschen Fernsehens auch für den Boxsport darum, die Liveübertragungen für deutsche Fernsehstationen wieder attraktiver zu machen. Die Kämpfe von Felix Sturm wurden unter anderem auch für RTL und Sky gehandelt, letztlich soll aber nach den angeblich horrenden Forderungen aber nur Sat.1 als ernsthafte Alternative übrig geblieben sein.

Sollte man das am Samstag ausgestrahlte «ran Spezial» als ernsthaften Gradmesser für den Kampf am Samstag zu Rate ziehen wollen, sähe es für Felix Sturm nicht gut aus. Mit nur 0,54 Millionen Interessierten war die Sondersendung zum Comeback ein Totalausfall und fiel in beiden Altersgruppen mit 4,9 Prozent bzw. 5,0 Prozent völlig durch. Sogar Steffen Kretschmann konnte hier einen größeren Erfolg feiern, denn mit 0,72 Millionen konnte man vier Tage vor dem eigentlichen Kampf immerhin 7,9 Prozent der werberelevanten Zuschauer einheimsen. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob diese Zahlen wirklich eine große Aussagekraft besitzen, denn es ist fest davon auszugehen, dass der Sender aufgrund der durchaus vorhandenen Medienpräsenz zumindest Werte deutlich oberhalb des eigenen Senderschnitts einfahren wird.