
Die Talkshow-Reform
Es ist eine wahre Meisterleistung der sonst so unmeisterlichen Bürokraten in den diversen ARD-Gremien und Rundfunkanstalten, dass sie es letztlich doch noch geschafft haben, Günther Jauch als Polit-Talker im Ersten zu verpflichten. Schließlich hatte dessen Engagement im Ersten schon 2007, als Nachfolger von Sabine Christiansen, relativ sicher gegolten, bevor der Deal platzte und Jauch etwas zynisch-verärgert ob der bürokratischen Hürden zurückließ. Keine Frage: Der RTL-Moderator wird ab dem kommenden Herbst für Top-Quoten sorgen; und dass seine Person für langfristigen Erfolg steht, ist unbestritten. Nach seinen bisherigen Auftritten in Polit-Shows ist zu vermuten, dass Jauch unbequemer, deutlicher und der „Stimme des Volkes“ näher als viele seiner künftigen Kollegen. Auch dies wäre im Sinne des politischen Diskurses als positiv zu bewerten.

Der Vorabend
Nach Jahren mittelmäßiger Programmqualität, zahlreicher Quotenflops und vermeintlich schnell zusammengeschusterter Formate (wobei alle drei Aspekte durchaus miteinander zusammenhängen dürften), will Das Erste nun mit einer großen Programmreform endlich konstanten Erfolg in den Vorabend bringen. Dazu werden aktuell mehrere Krimiserien hergestellt, die mit Lokalkolorit und Humor punkten sollen. Sollten diese beiden konzeptuellen Eigenheiten gut ausgearbeitet werden, so könnte man sich zunächst einmal halbwegs von den erfolgreichen ZDF-Krimis abgrenzen, die im Gegenprogramm am Vorabend eine klare Konkurrenz darstellen. Der Erfolg der neuen ARD-Krimis ist daher keineswegs sicher. Deswegen diversifiziert man und versucht, die Last des Quotenerfolgs auf den Schultern verschiedener Formate zu verteilen. Dass davon wenigstens eine oder zwei funktionieren, ist dann relativ wahrscheinlich.
Ein großes Fragezeichen steht auch hinter der Verpflichtung von Thomas Gottschalk, der eine Lifestyle/Personality-Show live am Vorabend – wahrscheinlich vor 19.30 Uhr – moderieren wird. Das Medienecho war groß – und bei der Netzgemeinde teils zynisch, weil Gottschalk künftig beispielsweise auch per Skype oder Facebook mit seinen Zuschauern kommunizieren will. Die bisherigen Konzeptdetails versprechen eine Art Show-Wundertüte, von der aktuell noch niemand erraten kann, was in ihr steckt. Genauso sieht es bei den Quoten aus: Gottschalk muss von Anfang an ein tolles, anderes Programm bieten. Dass diese Show einzigartig und damit ohne direkte Konkurrenz am Vorabend sein wird, ist offensichtlich. Fraglich aber ist, wie viele Stammzuschauer der frühere «Wetten, dass..?»-Moderator noch hat – und ob diese ihn überhaupt am Vorabend, und dann noch dreimal pro Woche, sehen wollen.
Fazit

Mit Pflaume hat Das Erste aber immerhin schon in der vergangenen TV-Saison einen Mann präsentiert, der perfekt zum Sender passt und bisher auch hervorragende Quoten erzielt: Mit «Klein gegen Groß», dem «Star-Quiz» sowie dem erfolgreichen Start der «Dalli Dalli»-Neuauflage hat man hier einen guten Teilersatz für Jörg Pilawa gefunden. Letzterem trauert man ohnehin nur noch wenig hinterher, denn neben Pflaume konnten auch Eckart von Hirschhausen und Sven Lorig frühere Pilawa-Sendungen relativ erfolgreich weiterführen. Und dann hat Das Erste künftig auch noch Matthias Opdenhövel als potenziellen Show-Moderator in Aussicht, der zunächst die «Sportschau» präsentieren wird. Die Pilawa-Nachfolge ist in der abgelaufenen TV-Saison also besser geglückt, als dies zunächst vermutet worden war – vielleicht ist dies ein gutes Omen für die kommenden Herausforderungen im Ersten.