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Für gewaltige Spannung hat der Cliffhanger um das Verschwinden Peters in der Sommerpause gesorgt. Wie ist sein Verschwinden zu erklären, wieso erinnert sich niemand mehr an ihn, wie kann er wieder zurückgeholt werden, wenn doch niemand mehr von ihm weiß? Und kehrt Peter überhaupt zurück? Es dürfte kaum ein Spoiler sein, die letzte Frage an dieser Stelle schon einmal zu beantworten: Ja. Immerhin ist Joshua Jackson auch in der vierten Staffel im regulären Cast der Mysteryserie vertreten. In den Fragen des Wie und Warum bleibt die Serie bislang allerdings Antworten schuldig und es stellen sich einige unangenehme Erinnerungen an die esoterischen Phasen ein, die die Serie seit Mitte der dritten Staffel eingeschlagen hatte.
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Leider macht «Fringe» dort weiter, wo man im letzten Jahr aufgehört hat, von den finalen Folgen abgesehen. Trotz eines fantastischen Plots im Hintergrund, riesigen Charakterpotentials und einem Dutzend aktueller Mysterien, die die Figuren vorrangig beschäftigen müssten, wird permanent das Tempo verschleppt. Dabei könnte die Serie eigentlich befreit zur Höchstform auflaufen, denn mit einer fünften Staffel ist nicht unbedingt zu rechnen. Das Budget scheint jedenfalls da zu sein, denn visuell auf hohem Niveau und mit einem erweiterten Cast scheint man selbst auf dem zuschauerschwachen Freitagabend gut gerüstet zu sein.
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Leider zieht sich die Geschichte um den verschwundenen Peter wie ein leidiger Faden durch die ersten vier Folgen. In den ersten beiden Episoden werden die Charaktere nicht müde, immer wieder zu betonen, welch unerklärliche Leere in ihrem Leben herrscht. Peters Erscheinungen bei Walter - extrem klischeehaft als Spiegelbild - erinnern stark an Peters Erscheinungen bei Olivia zu Beginn der dritten Staffel, als man in den Parallelweltfolgen einfach nicht auf Joshua Jackson verzichten wollte. Und mit der übermenschlichen Macht der Erinnerung steht bereits die nächste esoterische Erklärung parat, wie Liebe Raum, Zeit und physikalische Gesetze überwinden kann.
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In den für sich stehenden Kriminalplots sowie dem Zusammenspiel der Charaktere funktioniert «Fringe» hingegen weiterhin ausgezeichnet. Die veränderte Teamdynamik wurde gut aufgegriffen, Walters alternative Entwicklung ohne seinen Sohn gut umgesetzt in einem verwirrten alten Mann, der Angst hat, das eigene Labor zu verlassen. Olivia bringt genug Präsenz mit, sodass das Fehlen eines Partners überhaupt nicht auffällt - wenn sie es nicht ständig betonen würde. In diesem Punkt ist die Serie derzeit leider etwas zu holzhammerartig aufgelegt. Das neue Element der verbundenen Universen wurde bislang in einer Episode sehr gut ausgespielt, insgesamt wäre aber auch hier noch mehr drin. Es ist weiterhin der fehlende Mut, das unübersehbare Potential voll auszureizen, der «Fringe» davon abhält, die herausragende Serie zu sein, die es problemlos sein könnte.