Manuel Weis, Chefredakteur Quotenmeter.de

Sidney Schering, Kolumnist und Redakteur Quotenmeter.de
Nach einem inhaltlich schwachen Start fand «Die Harald Schmidt Show» bereits im Dezember 2011 langsam ihre neue tonale Ausrichtung: Weniger anarchisch als die kultigsten Ausgaben der späteren Jahre von Schmidts erster Sat.1-Zeit, aber auch spritziger als seine Sendung im öffentlich-rechtlichen. Im Januar 2012 schliff sich dann auch ein festeres Schema ein, mit einem halbwegs regulären Showablauf und den durchwechselnden Dauergästen Olli Dittrich, Klaas Heufer-Umlauf, Jan Böhmermann und Pierre M. Krause war Schmidt wieder nahezu durchgängig sehenswert. Deshalb ist es eine Schande, dass Sat.1 ihn nicht aus Prestigegründen weiter mitschleift, ganz gleich, wie die Quoten denn sein mögen. Es hätte sich schon noch ausgezahlt. Dafür, dass Late Night Geduld benötigt, ist Schmidt ja der beste Beweis.

Daniel Sallhoff, Redakteur Quotenmeter.de
Wie geht es jetzt mit Harald Schmidt weiter? Diese Frage lässt sich, wenn überhaupt, nur schwer beantworten – zumal zurzeit ja ohnehin nur spekuliert werden kann. In einer seiner letzten Sendungen machte Schmidt jedenfalls nicht den Anschein, als würde nach seiner Sat.1-Show alles zu Ende sein. Macht er hier also nur gute Miene zum bösen Spiel oder ist da tatsächlich was dran? Einen Wechsel zum ZDF halte ich noch für am Wahrscheinlichsten – dort haben Comedy-Fans in den letzten Jahren schließlich immer mehr zu lachen gehabt. Und sonst… RTL? Zu anspruchslos. ZDFneo? Zu klein. Kabel eins? Das wäre, liebe Bild.de-Redaktion, angesichts der Tatsache, dass dieser Sender zu ProSiebenSat.1 gehört, eine dicke Überraschung. Bei einem Senderwechsel darf man zudem nicht außer Acht lassen: Schmidt kostet Geld. Und dieses Geld müssen die Sender erst mal haben. Beim ZDF könnte es im Ernstfall schon daran scheitern. Und die öffentlich-rechtlichen Mühlen mahlen ja bekanntlich ohnehin sehr langsam. Es bleibt also abzuwarten, was passiert. Die letzten Sendungen machen durchaus Hoffnung, dass sich doch noch ein anderer Sender finden lässt. Vielleicht verhandelt Dirty Harry ja auch schon fleißig? Egal wie es kommt, für mich steht fest: Harald Schmidt gehört ins Fernsehen! Punkt.
Jan Schlüter, Redakteur Quotenmeter.de

Timo Niemeier, Redakteur Quotenmeter.de
Sat.1 setzt die «Harald Schmidt Show» ab und einen Schweizer freut das ganz besonders. Roger Schawinski nämlich, ehemaliger Sat.1-Chef. In seine Amtszeit fällt der erste Abgang Schmidts von Sat.1, viele Fans machten ihn damals dafür verantwortlich. In einem Interview mit dem „Tagesanzeiger“ sagte Schawinski nun, Schmidt habe den Chefwechsel in Sat.1 2003 zum Abgang genutzt, er habe nichts dafür gekonnt. Schawinski erklärte außerdem, dass er nicht wisse, wo Schmidt jetzt noch hin kann. Und in der Tat: Für Harald Schmidt ist die beste Zeit im deutschen Fernsehen wohl vorbei. Die klassische Late-Night-Show wird es mit ihm nicht mehr geben.
In der ARD ist man mit ihm durch, bei Sat.1 ebenso. Bei ProSieben gibt es am späten Abend kein Vorbeikommen an Stefan Raab. Es bliebe noch RTL. Aber die Kölner wissen genau, dass sie mit Schmidt keine Quote machen können, das hat sein Engagement bei Sat.1 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. RTL hat außerdem einen etablierten Programmablauf. Schmidt sagte zudem, dass er nicht zu ZDFneo wolle, wie es einige Fans forderten. Das ist verständlich: Dort dürften ihn noch weniger Menschen sehen als zuletzt in Sat.1.
Bleibt also nur noch das Hauptprogramm des ZDF. Dienstags bis donnerstags talkt hier am Abend allerdings schon Markus Lanz. Ein Sendeplatz wäre aber vorstellbar: freitags nach der «heute show», da sollte auch der Audience-Flow stimmen. Da «Lanz kocht!» bald ohnehin wegfällt, wäre hier schon ein wenig Platz geschaffen. Aber wie gesagt: Die klassische «Harald Schmidt Show» an mehreren Abenden pro Woche kann und wird es nicht mehr geben. Es sei denn, der Entertainer überlegt es sich doch nochmal mit ZDFneo…