

Die unsichere politische Lage - vor allem in der Ukraine - stellt die Sender vor schwierige Herausforderungen: Nicht nur technisch bei der teils mangelnden Infrastruktur, sondern auch auf zweiter Informationsebene für die Zuschauer. In kaum einem anderen Austragungsort war die Meinungs- und Pressefreiheit so gefährdet. Zudem werden kritische Stimmen über Menschenrechtsverletzungen immer lauter. Ähnlich wie bei der Formel 1 in Bahrain am vergangenen Wochenende, wird der Sport damit nicht allein Gegenstand der Berichterstattung sein können. „Die Europameisterschaft ist eine Chance“, so Theo Koll, der ZDF-Hauptredaktionsleiter Politik und Zeitgeschehen. So planen beide Sender dem Informationsbedürfnis der Zuschauer nachzukommen und werden mit ihren Korrespondenten verfolgen, was sich abseits der Stadien abspielt. Dokumentationen runden die tiefgreifende Berichterstattung bereits vor dem EM-Start ab, da beide Austragungsländer den Deutschen relativ unvertraut seien, was die Urlaubsstatistiken bewiesen, so Theo Koll.
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trifft auf starke Vorrunden-Gegner, was den TV-Machern schon zu Beginn des Turniers hohe Zuschauerzahlen versprechen könnte – bis hin zu einem möglichen Quotenrekord Richtung Finale. Neben den Niederländern spielen auch die Dänen und Portugiesen in der Gruppe von Löws Elf.

Wie bereits bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sowie der Europameisterschaft 2008, plant das ZDF ein Public-Viewing-Event, von dem die Rahmenberichte kommen. Diesmal einen „Fußballstrand“ an der Heringsdorfer Seebrücke auf Usedom. Neben der ZDF-Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein ist auch der Ex-Schiedsrichter Urs Meier und ZDF-Experte Oliver Kahn am Ostseestrand. Der ehemalige Torhüter verlängerte seinen ZDF-Vertrag um weitere drei Jahre, sodass Oliver Kahn auch bei der vom ZDF neu eingekauften Champions League ab Herbst und der nächsten Weltmeisterschaft 2014 mit an Bord sein wird. Außerdem für das ZDF in der EM-Aufstellung: Béla Réthy, Wolf-Dieter Poschmann, Sven Voss, Rudi Cerne, Oliver Schmidt und Thomas Wark.

Nachdem sich die UEFA die Sängerin Oceana, welche Nahe Hamburg aufwuchs, als Sängerin des offiziellen EM-Songs aussuchte, sind die Mainzer mit dem Titel „I Like To Move It“ für ihre On-Air-Kampagne fündig geworden: Die ukrainische Band Los Colorados soll Partystimmung in die Wohnzimmer – oder Public-Viewing-Events – transportieren. Die Band interpretiert internationale Songs im Rhythmus ihrer ukrainischen Heimat mit Akkordeon, Balalaika und Polka-Takt.
Dank Synergie-Effekte sollen die Kosten laut ARD und ZDF auf dem Niveau der EM 2008 liegen – trotz weitaus längerer Fahrtwege und schlechterer Infrastruktur. Auch wenn genaue Summen nicht veröffentlicht werden, wird der Etat in der Branche auf knappe zehn Millionen Euro geschätzt. Insgesamt 300 Mitarbeiter sollen für eine reibungslose Übertragung sorgen. Die ARD ist in Polen verantwortlich für die Übertragungstechnik rund um das Stadion, in der Ukraine übernimmt diesen Job das ZDF – auch wenn der jeweils andere Sender On-Air geht. Also Freundschaftsspiele bei ARD und ZDF: Das Erste beginnt die Übertragung am 8. Juni. Einen Tag später ist dort auch das erste Deutschland-Spiel gegen Portugal zu sehen. „Mit dem Zweiten“ sieht man dann das zweite Deutschland-Spiel live, dann gegen die Niederländer. Die Mainzer dürfen unter anderem auch beim Endspiel ran. Deutsche Beteiligung ist beim Finale damit garantiert – zumindest neben dem Spielfeld.