«Wir wollten aufs Meer»

Die größten Erfolgsfilme aus Deutschland setzten sich in den vergangenen Jahren fast immer mit der Vergangenheit des Landes auseinander, wobei vor allem der Nationalsozialismus und die DDR beliebte Themen waren. Auch dieser Film thematisiert wieder das Leben in der DDR, doch überschwängliche Begeisterung von Seiten der Kritiker bleibt diesmal aus. Tim Slagman von "filmstarts.de" lobt zwar die Hauptdarsteller Alexander Fehling und August Diehl, die "viel Gefühl für die Zwischentöne sowie die Ecken und Kanten ihrer Figuren zeigen", allerdings gebe es einige Szenen, in denen "etwas reißerisch auf äußere Spannung gesetzt" werde und die "thematisch wenig beitragen. [...] Die etwas reißerische Spannungsdramaturgie läuft dem enormen psychologischen Potenzial der sehr intimen Geschichte jedoch zuweilen zuwider". Sebastian Wotschke von "kino-zeit.de" zieht ein ähnliches Fazit, denn der Film sei inhaltlich "von einem starken Schwarz-Weiß-Denken geprägt, bei dem die Charaktere zu Abziehbildern werden, die vollends auf ihre Funktion im System reduziert sind", weshalb "die Geschichte um DDR und Stasi im Endeffekt nichts erwähnenswert Innovatives" biete und "manche Zuschauer im Nachhinein mit einer nicht vorhandenen Objektivität verärgern" werde. Hingegen sei "beispiellos, welche hochkarätigen Schauspieler [der Regisseur Toke Constantin] Hebbeln für das Projekt gewinnen konnte".
OT: «Wir wollten aufs Meer» von Toke Constantin Hebbeln; mit Alexander Fehling, August Diehl, Sven Gerhardt, Phuong Thao Vu, Sylvester Groth und Thomas Lawincky
«Parada»
Limun (Nikola Kojo) hat wahrlich schon viel in seinem Leben erlebt: Auf eine nicht sehr erfreuliche Zeit im Kosovo-Krieg folgte eine kriminelle Karriere, die ihn durch ganz Europa führte. Inzwischen führt er ein verhältnismäßig konservatives Leben als Besitzer einer Sicherheitsfirma und möchte sogar endlich heiraten. Seine Freundin Biserka (Hristina Popovic) kümmert sich daraufhin intensiv um die Vorbereitungen und engagiert zudem den Hochzeitsplaner Mirko (Goran Jevtic) – es soll ja immerhin auch wirklich alles perfekt sein

Diese serbische Komödie thematisiert das Problem der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexuellen in weiten Teilen Osteuropas auf eine Art und Weise, die nicht alle Kritiker begeistern kann. Christoph Schelb von "outnow.ch" schreibt Regisseur Dragojevic zwar "gute Absichten" zu, jedoch fehle es "seinem Film deutlich an Zug". Deshalb sei dieser Versuch, mit dieser "Tragikomödie Brücken zwischen zwei unterschiedlichen Lagern zu schlagen" letztendlich "ein Crowdpleaser mit einer guten Message, aber mit eindeutigen Längen". Bei "zurückgespult.de" ist man der Ansicht, dass hier "ein wichtiges Problem nicht richtig angegangen" worden sei. Man wechsele zu häufig zwischen Drama und Komödie, weshalb "die Nachvollziehbarkeit auf der Strecke bleibt und ein Mitfiebern mit den Figuren nicht möglich ist". Deshalb misslinge "der ehrenhafte Versuch, die homophobe Einstellung der baskischen Staaten zu durchbrechen und mit geschickter Parodie zu entwaffnen" in weiten Teilen. Oliver Kaever von "programmkino.de" schreibt sogar, dass Dragojevic für feine Ironie nichts übrig habe und stattdessen "auf satte und auch platte Gags [setzt], die zum Teil nicht mehr taufrisch wirken". Der Film "stellt schwule Stereotypen eher aus, als dass er sie hinterfragt".
OT: «Parada» von Srdjan Dragojevic; mit Nikola Kojo, Milos Samolov, Hristina Popovic, Goran Jevtic, Goran Navojec und Dejan Acimovic