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Aufgewachsen in einer niedersächsischen Kleinstadt war das große Fernsehen doch ein ziemliches Stück weg. „Es erschien mir damals einfach unrealistisch. Dort war damals weit und breit kein Fernsehsender zu sehen“, erinnert sich der heute 48 Jahre alte ARD-Kommentator zurück. „Seine journalistische Leidenschaft entdeckte Bartels dennoch früh – zunächst als Reporter für lokale Zeitungen. Dennoch startete er zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann. „Ich habe dann irgendwann ein Sportstudium in Köln begonnen – mit viel Leidenschaft. Das war etwas, das bei der Banklehre nicht der Fall war“, schmunzelt er. Über den damals ebenfalls in Köln studierenden Sebastian Hellmann, heute Hauptfußballmoderator beim Bezahlsender Sky, gelangte er in die Sportredaktion des in Köln ansässigen WDR. Parallel zu seiner Zeit beim WDR hatte ihm auch Florian König (RTL) ein Praktikum beim SDR in Stuttgart besorgt.
„Das war der erste Schritt für mich im Fernsehen und die weiteren folgten dann.“ Erste 60 Sekunden lange Kommentare sprach Bartels für den SWR und ging irgendwann auch zum Live-Sport über. Schließlich war es wieder ein heute sehr bekannter Sportjournalist, der beim Erklimmen der nächsten Stufe half. Marcel Reif hatte Bartels Kommentar des Pokalspiels zwischen den Stuttgarter Kickers und dem Karlsruher SC im Jahr 1994 gehört und in Folge das Angebot unterbreitet, zu RTL zu wechseln. Reif war damals Kommentator bei den Kölnern, die damals noch über Champions League-Rechte verfügten. „Nach der Europameisterschaft 1996 ging es für mich dann zu RTL, wo ich neben Fußball auch Tennis, Boxen und Skispringen machen durfte“, erinnert sich Bartels zurück.
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Die Nationalmannschaft seit 2006 zu begleiten, sei für ihn eine Ehre. „Ich weiß es wirklich sehr zu schätzen, dass ich für die ARD von den großen Turnieren berichten darf.“ Und dennoch habe ihn der öffentliche Rummel bei seiner ersten EM im Jahr 2008 ziemlich erschlagen. „Das war heftig: Es dreht sich vier Wochen lang alles um das Turnier. Ich habe Radioanfragen, Zeitungsanfragen bekommen – jeder hat einfach auf die EM geschaut. Diese Wucht hat mich erschlagen.“ Inzwischen ist er den Trubel um seine Person gewohnt. Nicht gewohnt war er das, was in den vergangenen Wochen in Brasilien passiert ist – auch wenn er sich so gut als möglich darauf einstellen wollte. „Wir wohnen eigentlich in Fortaleza“, berichtet Bartels. Die ersten beiden Wochen sei er aber komplett nur unterwegs gewesen. „So etwas hatte ich noch nie“, sagt er mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika, wo die Journalisten von Johannesburg aus eher sternförmig in die Städte ausströmten, aber nie sonderlich lang unterwegs waren. „Das war schon belastend“, so Bartels. Deshalb hat er sich auch besonders intensiv auf das Turnier vorbereitet – und schon bald festgestellt, dass man sich wie üblich eben doch nicht auf alles vor einer WM vorbereiten könne.
„
Überall freundliche Menschen, in Hotels, Flughäfen, Stadien reibungslose Abläufe, es hat sensationell funktioniert.Brasilien hat aus den Versäumnissen und Pannen des Confed-Cups die richtigen Schlüsse gezogen, hätte ich so nicht erwartet.
”
Kommentator Tom Bartels
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Ausruhen kann sich Bartels übrigens auch in den kommenden Wochen kaum. 2014 wird er es wohl wieder auf rund 200 Tage bringen, die er nicht zu Hause ist. Nach der Weltmeisterschaft ist er für die ARD bei der Schwimm-Europameisterschaft im Einsatz – hinzu kommen seine Moderationstätigkeiten der Sportsendungen «Sport im Dritten» und «Flutlicht». Und die nächste Skisprung-Saison ist auch nicht mehr so weit weg, wie manche denken.