Murdoch will Herrscher der Inhalte werden
Am wahrscheinlichsten bleibt eine Übernahme durch Rupert Murdoch, der genau die Intention hat: zum Herrscher der Inhalte zu werden und mehr Macht über die Vertriebskanäle zu gewinnen. Er könnte größere Deals mit den jungen Video-on-Demand-Anbietern schließen oder diese verweigern. Er hätte mehr Verhandlungsspielräume mit Kabelanbietern, die Murdochs Sendern Entgelte für jeden Abonnenten zahlen. Diese Entgelte sind Gegenstand ständiger Verhandlungen, Murdoch könnte bald den Preis hochtreiben: Will ein Anbieter für FOX News nicht mehr als bisher zahlen, droht Murdoch dann beispielsweise damit, HBO, TNT oder CNN auszuspeisen – alles gewichtige Senderargumente, die derzeit zu Time Warner gehören.

Murdoch gegenüber steht Jeff Bewkes, Chef von Time Warner – und jemand, der sein Können mehrfach unter Beweis gestellt hat. Er war es, der HBO von 1995 bis 2002 zum Pay-TV-Giganten machte und damit den Grundstein legte für den nun profitabelsten Geschäftsbereich von Time Warner. Beim Mutterkonzern fing er 2008 als CEO an, in einer Zeit, als der Aktienkurs fiel und die Gewinne einbrachen. Bewkes‘ Vorgänger scheiterte an der Neustrukturierung des Konzern, Bewkes selbst verschlankte ihn radikal: Er verkaufte AOL, später den Kabelgiganten Time Warner Cable und in diesem Jahr die Print-Sparte Time Inc. Das Musiklabel Warner Music Group war schon 2004 veräußert worden. Mittlerweile besteht der Konzern noch aus drei Geschäftsbereichen, die allesamt im Film- und Fernsehgeschäft verortet sind: HBO, die Sendergruppe Turner Broadcasting mit dem Nachrichtensender CNN sowie der Inhalte-Produzent Warner Bros. mit seinen Kinofilmen und der TV-Abteilung.

Möglicherweise muss er hier Zugeständnisse machen, zum Beispiel durch eine Fusion, mit der er Macht an hochrangige Warner-Bosse abgibt. Auch kartellrechtliche Bedenken gibt es: Durch die Integration von Warner-Newskanälen wie CNN würde eine neue Informationsmacht entstehen; und gerade die Meinungsmanipulation seines republikanischen Senders FOX News lässt größere Bedenken aufkommen. Murdoch hat schon angedeutet, zu einem Verkauf von CNN bereit zu sein, sollte eine Übernahme daran scheitern. Dass er jedoch nicht immer seine Versprechen einhält, zeigte er beim Ver- und späteren Rückkauf der „New York Post“.
