Über den Autor (und seinen Artikel):
Sidney Schering schaut «How I Met Your Mother» von Beginn an, verlor jedoch im Laufe der ersten Staffel kurz das Interesse, ehe er dank der zahlreichen Mittagsausstrahlungen die Sitcom lieben gelernt hat. Er genoss an der Serie nicht nur ihren Humor, sondern auch, dass sich aus dem Beziehung-wechsle-dich-Spielchen der ersten Jahre in späteren Staffeln eine ambitioniert erzählte Liebesgeschichte entwickelte. Da die Serienschöpfer berichteten, dass sie autobiografische Elemente in die Sitcom einbauten und der ganze Spaß zudem aus der Ich-Perspektive des redseligen Ted erzählt wurde, dachte Sidney, es sei nur fair, «How I Met Your Mother» aus ganz subjektivem Winkel einen letzten Tribut zu zollen.Selbstredend folgen nun zahlreiche Spoiler über die gesamte Serie, wer also das Ende noch nicht kennen sollte und aus Neugier in diese kleine, monologisierende Therapiesitzung gestolpert ist, sollte schnell fliehen, wenn er nun plötzlich kalte Füße bekommt.
Ich hatte vor Ausstrahlung des Finales auch kalte Füße, war nervös, wie sich das viel diskutierte, kontroverse Ende wohl abspielen wird. Und ich will gar nicht wissen, wie es den Serienschöpfern Carter Bays und Craig Thomas erst ergangen ist. Denn ich wusste „bloß“ seit dem 31. März dieses Jahres, dass zahllose US-Fans mit dem Ende unglücklich sind und war dem entsprechend nervös, ob es mir ähnlich ergehen wird. Bays und Thomas dagegen entschieden sich während der Produktion der zweiten Staffel für das Finale und drehten zusammen mit Lyndsy Fonseca und David Henrie, den Darstellern von Teds Kindern, deren allerletzte Szene. In dieser erklären sie ihrem Vater energisch, dass sie den Tod ihrer Mutter überwunden haben und in den Erzählungen ihres Dads eine ehrliche Zuneigung für ihre Ruftante Robin raushörten. Also soll er sich ein Herz nehmen und sie sich schnappen.
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Ich mochte «How I Met Your Mother» zu Beginn, dann wurde im Laufe der ersten Staffel aufgrund der meiner Meinung nach etwas hölzernen romantischen Turbulenzen von Ted, Barney und Robin aber auch Lily und Marshall mein Respekt vor der Serie etwas gedämpft. Dann aber legte die von Pamela Fryman so zielstrebig, pointiert und teils auch verblüffend einfühlsam inszenierte Sitcom ihre Einstellung zur Liebe immer konkreter sowie mitreißender nieder. Viele Filme haben ein verkitschtes Postkartenverständnis von Romantik – etwa Garry Marshalls immer wieder spaßiger Klassiker «Pretty Woman». Andere nehmen eine von Enttäuschungen zerrüttete, zynische Sichtweise ein und begeistern dann zumeist mit intensiv-dramatischem Schauspiel. «Take This Waltz» zum Beispiel. «How I Met Your Mother» dagegen, so sehe ich es zumindest, handelt nicht nur von Liebe, sondern liebt dieses bewährte Thema großer Erzählungen in all seinen Facetten. Die Serie ist zu einem Format herangewachsen, dass an romantischen Verwicklungen genauso viel Freude verspürt wie an sinnlosen Eskapaden und dem großen Glück, das keines weiteren Kommentars bedarf. Aber genauso an den Enttäuschungen, die damit irgendwann einhergehen müssen.
Und das, was «How I Met Your Mother» über Liebe aussagt, lässt sich problemlos auf meine Beziehung mit dieser Serie übertragen. Sie hatte ihre Dürreperioden, ihre lang anhaltenden Hochphasen, ihre spaßigen aber unnützen erzählerischen Umwege. Stets befand sich diese Sitcom in einem Balanceakt zwischen pointiert-überzeichneter Natürlichkeit und comichafter Karikatur – und dieses Kunststück gelang oft beeindruckend, manchmal aber ging es schief. Sie traf clevere Aussagen, sie löste mehrmals bei mir Gänsehaut aus, sie enttäuschte mich hin und wieder und machte all diese Enttäuschungen rasch wieder gut. Ich weiß natürlich nicht, wie sehr Bays und Thomas solche Dopplungen zwischen Serieninhalt und Serienwirkung beabsichtigt haben, und wie viel davon improvisiert oder bloßer Zufall war. Und wahrscheinlich wissen sie es selbst nicht einmal, denn wie uns «How I Met Your Mother» ebenfalls vorführte, kann einem die Erinnerung allerhand Streiche spielen.
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«How I Met Your Mother» griff nach höheren Sternen. Statt alles mit einer Doppelfolge über die lang erwartete Hochzeit zwischen Robin und Barney zu beenden, spielte nahezu die gesamte neunte Season an einem einzelnen Wochenende. So setzten die Serienmacher auf die Narrative des Formats einen drauf und reizten Teds Hang zum Schwadronieren und sprunghaften Erzählen bis zum Äußersten aus. Sie gaben uns einen neuen, romantischeren Schauplatz und unternahmen somit einen spürbar gut gemeinten, ambitionierten, liebevollen Schritt. Aber wie es so in Beziehungen passieren kann, sind manche überwältigende, vom Herzen kommende Geschenke für den Anderen nur enttäuschend. Ich wollte dieses einschneidende Wochenende, an dem Robin und Barney heiraten und Ted endlich die Mutter seiner Kinder kennenlernt, im Detail sehen. Aber nicht so detailliert und noch weniger mit einem nervigen Subplot über Marshalls Reise quer durchs Land, der „Richter Fudge“ nicht wirklich gerecht wurde.
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Wer allein schon diesen Aspekt vom «How I Met Your Mother»-Finale nicht ausstehen kann, muss, so denke ich, nur lang genug warten. Wahrlich nicht alle Freundschaften lösen sich auf, aber die Dichte, mit der Freundschaften spürbar sind, lockert sich auf. In manchen Gruppen braucht es ein paar berufliche Änderungen, in anderen eine Handvoll Umzüge, bei anderen müssen noch Ehen, Kinder oder sonstige biografische Höhepunkte geschehen. Aber es wird passieren, und wie sich das anfühlt, drückt die abschließende «How I Met Your Mother»-Doppelfolge gelungen aus.
Tja, und dann wäre da halt diese letzte Szene. Die immerhin so einschneidend ist, dass Bays und Thomas nach eigenen Angaben noch wenige Tage vor Ausstrahlung aller Langzeitplanung zum Trotz damit liebäugelten, im Schneideraum ein neues Ende zu kreieren. Ist es ein Schlag in Gesicht all jener, die im Laufe der neunten Staffel die von Cristin Milioti mit mühelos wirkendem Charisma gespielte Mutter namens Tracy lieben lernten? Ja. Ja, das ist es! Machen Bays und Thomas damit Teds Charakterentwicklung kaputt? Gute Güte, nein! Und noch viel weniger machten sie aus Ted einen Unsympathen, dem alles, was er sich je wünschte, auf dem Silbertablett serviert wird!
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Doch ganz gleich, wie glücklich wir sind: Eines Tages wird jeder von seinem Seelenverwandten verlassen. Manchmal im Streit, manchmal weil sich beide Seiten auseinander gelebt haben. Oder weil der Tod die Liebenden scheidet. Es ist eine harsche Realität, die sehr lange bei «How I Met Your Mother» mitschwang – und sich im Finale passenderweise mit einem Knall zur großen Schlussnote heraus kristallisierte. Dass Ted danach mit Robin zusammenkommt, ist kein Verrat an Tracy. Es ist ein narrativer Kreisschluss: Selbst wenn der Höhepunkt hinter uns liegt, bedeutet es nicht, dass wir ins Bodenlose fallen. Ted und Robin sind füreinander eine ideale zweite Wahl, nach allen Turbulenzen, die sie durchmachten, haben sie sich zu neuen Menschen entwickelt, die endlich zusammenpassen.
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Dennoch bin ich mit dem Schluss von «How I Met Your Mother» glücklich. Denn statt wie ein Feuerwerk brillant zu verpuffen, setzt es auf Langzeitwirkung. Und es unterstreicht die bereits angesprochene Dopplung zwischen Serieninhalt und -wirkung. Ted musste einen schweren Verlust hinnehmen und lernt nun, abseits der von der Sitcom erzählten Handlung, „ein Leben danach“ zu führen das ihn erfüllt. Und so geht es doch auch uns «How I Met Your Mother»-Fans. Wir waren in einer glücklichen televisionären Beziehung mit Ted und Co., mussten einen schweren Schock verdauen und wurden verlassen. Jetzt gilt es, loszulassen, die schönen Zeiten in Ehren zu halten – und mit dem Leben danach zu beginnen.
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...där!