Hinter den Kulissen
- Regie & Drehbuch: Woody Allen
- Kamera: Darius Khondji
- Schnitt: Alisa Lepselter
- Produktionsdesign und Setdekoration: Anne Seibel und Jille Azis
- Kostüme: Sonia Grande
Die Geschichte ist im Sommer 1928 angesiedelt: Der Erste Weltkrieg liegt nunmehr zehn Jahre zurück und Westeuropa befindet sich in einem beachtlichen Wirtschaftsaufschwung. Generell herrscht eine neue Weltsicht vor, weite Teile der Gesellschaft sind offener und kulturell interessierter als noch in den Jahrzehnten zuvor. Vor lauter Lebensfreude sieht niemand, welch deprimierenden Umwälzungen sich in Bälde mit der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem politischen Rechtsruck anbahnen sollten. Zynismus findet in den Goldenen Zwanzigern kaum statt. Selbst der Bilderbuchzyniker Stanley (Colin Firth) konzentriert seinen Missmut ganz und gar darauf, dass er übernatürliche Ereignisse als Schwindel offenbart. Der Brite entlarvte bereits zahlreiche Scharlatane und wird aufgrund dieser Erfolgsquote von seinem alten Kupferstecher Howard (Simon McBurney) an die französische Côte d'Azur zitiert. Dort hat sich die junge Sophie (Emma Stone) mitsamt ihrer Mutter (Marcia Gay Harden) bei einer reichen, amerikanischen Familie eingenistet und sorgt mit ihren hellseherischen Kräften für Staunen und Verwirrung. Da selbst Howard daran scheiterte, Sophie als Betrügerin zu enttarnen, soll nun der selbstbewusste Stanley ran. Aber sogar er beißt sich am außergewöhnlichen Medium die Zähne aus …

Doch selbst wenn das zeitliche Setting und die thematischen Zwischentöne in «Magic in the Moonlight» in zu großem Einklang sind, um obigen Interpretationsansatz vollauf in den Wind schlagen zu können: Der meist so listige Woody Allen legt in sein Skript eine ungeahnt große Sympathie für die zwei Hauptfiguren Sophie und Stanley. Zudem stimmt Allen durch seine luftig-lockere Inszenierung einen derart unbeschwerten Ton an, dass dieser cineastische Ausflug in ein sommerliches Südfrankreich einer doppelbödigen Lesart nahezu allen Antrieb nimmt. In oberster Priorität erblüht diese Geschichte von Schein und Sein, Lug und Selbstbetrug, Romantik und Magie daher als schlichte, kleine Komödie ohne weitreichende Ambitionen. Woody Allen schwelgt hier in Nostalgie für altmodische Romanzen, die zwar mit Witz punkten, sich aber jeglicher Selbstironie verweigern. Damit dürfte es ihm schwer fallen, neue Fans zu gewinnen, und selbst unter seinen größten Anhängern sollten sich wohl nur sehr wenige finden, die «Magic in the Moonlight» zu den Höhepunkten seiner Vita zählen. Trotzdem hat diese rund 17 Millionen Dollar teure Produktion ihren Reiz und dürfte vor allem bei jenen Anklang finden, denen es nach sorgloser Kinounterhaltung mit Esprit dürstet.

Darüber hinaus tut sich Kameramann Darius Khondji schwer, die austauschbare Story auf wirkliches Kinoformat zu heben. Nur das schwärmerische Flair, das die Darsteller und ihre Kostüme seinen überbelichteten, uninspirierten Bilder verleihen, verhilft «Magic in the Moonlight» auf ästhetischer Ebene zum Sprung vom edlen Fernseh- zum Kinofilm. Dessen ungeachtet wecken Autorenfilmer Woody Allen, Colin Firth und Emma Stone vor träumerischer Kulisse Sehnsüchte nach vergangenen, simpleren Zeiten. Das mag angesichts der zuvor erläuterten, möglichen Lesart dieser Komödie paradox erscheinen und so vielleicht einen weiteren Kritikpunkt darstellen. Andererseits ist der Charme dieser einfachen, netten filmischen Urlaubsreise so bestechend, dass mit genügend Willen ihre inneren Widersprüchlichkeiten ebenso abgeschüttelt werden können wie ihre Seichtheit.
Fazit: Der nimmermüde Woody Allen ergänzt sein Œuvre durch «Magic in the Moonlight» um ein schlichtes Werk, das dank Emma Stone und Colin Firth sowie leichtfüßiger Dialogwechsel ein gewisses altmodisch-unbedarftes Charisma hat.
«Magic in the Moonlight» ist ab dem 4. Dezember 2014 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.