Filmfacts «Tschiller: Off Duty»
- Regie: Christian Alvart
- Drehbuch: Christoph Darnstädt
- Darsteller: Til Schweiger, Fahri Yardım, Luna Schweiger, Erdal Yıldız, Berrak Tüzünataç, Erol Afsin, Özgür Emre Yildirim, Berrak Tüzünataç, Alyona Konstantinova
- Produktion: Christian Alvart, Siegfried Kamml, Til Schweiger, Timm Oberwelland, Thomas Zickler
- Musik: Martin Todsharow
- Kamera: Christof Wahl
- Schnitt: Marc Hofmeister
- Laufzeit: 137 Minuten
- FSK: ab 16 Jahren
Til Schweiger bezeichnete sich im Laufe seiner Karriere in diversen Interviews ebenfalls als Freund des Action-Genres. Statt sich aber nur über einen Mangel an eigenproduzierter Action auf dem deutschen Markt zu beklagen, trägt er mit Eifer sein Scherflein dazu bei, diesen Mangel zu beseitigen. Bislang mit durchwachsenem Erfolg: Sein Action-Drama «Schutzengel» scheiterte als einzige seiner Realfilm-Regiearbeiten nach dem Jahrtausendwechsel an der Eine-Millionen-Besucher-Marke. Im Fernsehen sah es zunächst besser aus: Der von Schweiger in der Hauptrolle besetzte und von ihm mitgetragene, nicht aber von ihm inszenierte Hamburg-«Tatort» startete mit Zuschauerzahlen auf Rekordniveau. Die drei nachfolgenden Ausgaben der Action-Krimireihe dagegen erreichten von Mal zu Mal weniger Fernsehende.
Nun zieht es Schweigers «Tatort»-Rolle Nick Tschiller auf die große Leinwand – begleitet von einer Werbekampagne, die wie mit der heißen Nadel gestrickt wirkt. So sind die Trailer zum Film rappelvoll mit Standard-Soundeffekten, und die an Comic-Magazine erinnernde, rundliche Schriftart der in den Trailern eingeblendeten Zwischentitel dürfte «Tschiller: Off Duty» ebenfalls keinen Gefallen getan haben. Doch wie es so schön heißt: Man soll ein Buch nie an seinem Einband beurteilen. Und einen Film nicht allein an seinen Trailern. «Tschiller: Off Duty» ist ein Paradebeispiel dafür – sowie eine glänzende Erinnerung daran, dass gute Action keine Frage der Nationalität ist. Was Amerikaner, Briten, Franzosen und der asiatische Filmmarkt beherrschen, können Deutsche auch!
- © Syrreal Entertainment/ Nik Konietzny
Im ersten Kino-«Tatort» verschlägt es Ermittler Tschiller (Til Schweiger) bis nach Istanbul. Und eine gehörige Portion Action darf - wie immer - nicht fehlen.
Der Einstieg ist Drehbuchautor Christoph Darnstädt allerdings etwas zäh geraten: Der kurdische Kriminelle Firat Astan (Erdal Yıldız) wurde nach seinen Taten in den bisherigen Tschiller-«Tatort»-Ausgaben nach Istanbul ausgeliefert. Firat kann sich der türkischen Justiz aber entziehen, woraufhin sich die 17-jährige Polizistentochter Leonora (Luna Schweiger) auf eigene Faust aufmacht, um am Ganoven Blutrache für den Mord an ihrer Mutter auszuüben. Bei diesem Versuch gerät die „Lenny“ genannte Teenagerin jedoch in die Fänge von Firats ruchlosen Geschäftspartner Süleyman Şeker (Özgür Emre Yildirim).
Daraufhin nimmt «Tschiller: Off Duty» Fahrt auf. Denn als Lennys Vater, der verbissene Cop Nick Tschiller (Til Schweiger), davon Wind bekommt, dass sein Augapfel verschwunden ist, reist er ihr hinterher, um sie aus dem Schlamassel zu befreien. Somit gerät Tschiller in ein internationales Abenteuer, bei dem nicht nur das Leben seiner Tochter auf dem Spiel steht, sondern auch ein Komplott aufgedeckt werden muss. Um diese Mission zu bewerkstelligen, ist Tschiller auf die Hilfe von alten Verbündeten (u.a.: Fahri Yardım alias Yalcin Gümer) angewiesen, und auch neue, teils schwer einzuordnende Bekanntschaften werden geschlossen …
Ein wichtiger Aspekt, in dem «Tschiller: Off Duty» das bisher vom Schweiger-«Tatort» gebotene übertrifft, ist die Menge an Varianz. Auch wenn in «Der große Schmerz» eine gut aufgelegte Helene Fischer für Abwechslung sorgte und «Fegefeuer» mit einer Geiselnahme hinter den Kulissen der «Tagesschau» Aufmerksamkeit zu erhaschen versuchte, stellte sich bei den Actionkrimis aus Hamburg innerhalb von nur vier Ausgaben eine gewisse Routine ein. Das hatte zur Folge, dass Hauptdarsteller Til Schweiger in seiner Rolle zuletzt nur noch zwei extreme Emotionen zeigen durfte: Geballte Wut oder tiefe Trauer. In «Tschiller: Off Duty» lassen Autor Darnstädt und Regisseur Christian Alvart hingegen wieder eine größere Bandbreite an Tonalitäten zu.

Das ist wahrlich kein Shakespeare (und das würden bei einem Actionkracher sicher die wenigsten Kinogänger verlangen). Aber es geht weit über die binäre Vorgehensweise beim Hamburg-«Tatort» hinaus und erlaubt so eine packende Popcornkino-Erzähldynamik: Es schwebt stets im Raum, dass die nächste Actionszene nicht weit sein kann. Ob Tschiller darin aber der Aggressor oder der Gejagte ist, ob er sie mit Findigkeit oder purer Willenskraft übersteht und ob es eine Prügelei, Schießerei oder Verfolgungsjagd ist, wird nicht so weit voraustelegrafiert. Obendrein geraten manche Actionszenen eher humorvoll, während andere den Schwerpunkt auf Thrill legen oder gar beides bieten (Stichwort: Mähdrescher!). Damit schnüren die Filmemacher ein rundes, alles bietendes Action-Paket. Ein Action-Paket, das verflixt gut aussieht: Das an Hollywood-Maßstäben gemessen lachhafte Budget von acht Millionen Euro ist diesem Kino-«Tatort» nicht anzumerken – die prächtigen Aufnahmen von Kameramann Christof Wahl lassen den in Moskau, Istanbul, Berlin und Moskau gedrehten Film stattdessen deutlich kostspieliger erscheinen.

Mehr noch als die Action ist es aber Yardım, für den sich der Kauf einer Eintrittskarte lohnt: Der Mime stellt einmal mehr sein begnadetes komödiantisches Timing zur Schau, und die Freundschaft zwischen ihm und Schweiger macht sich auch auf der Leinwand bemerkbar. Er lockt in den gemeinsamen Szenen die menschelnde Seite des verbissenen Tschillers hervor und dient als Gümer zudem als spritziger Stichwortgeber und süffisanter Kommentator des Geschehens. Gelegentlich wird Gümer auch als wandelnde Notfalllösung genutzt, um aus storytechnischen Sackgassen herauszukommen, diese „Deus Ex Machina“-Momente sind aber launig genug, um im Rahmen reiner Actionkinounterhaltung durchzugehen. Da sticht die verschachtelte, immer wieder nur beiläufig erfolgende, Erörterung des von Şeker ausgeheckten Komplotts schon ärger hervor – da es für Tschiller aber primär nur darum geht, seine Tochter zu retten, bleibt die Handlung dennoch stets zugänglich.

Fazit: «Tschiller: Off Duty» ist die Antithese zum letzten Bond: Während «SPECTRE» großartig anfängt und sich daraufhin in eine bleierne Ente verwandelt, braucht der Kino-«Tatort» etwas, um aus dem Quark zu kommen. Aber wenn Nick Tschiller erst einmal Blut geleckt hat, fetzt das Teil!
«Tschiller: Off Duty» ist ab sofort in vielen deutschen Kinos zu sehen.
Wer sich selber von «Tschiller: Off Duty» überzeugen möchte, aber gerade knapp bei Kasse ist, muss sich nicht grämen: Wir verlosen 3x2 Freikarten! Schickt einfach eine Mail mit eurem liebsten und eurem am wenigsten gemochten Til-Schweiger-Film an gewinnen@quotenmeter.de, und vielleicht losen wir euch aus! Einsendeschluss: 12.2.2016 um 23.59 Uhr. Denkt bitte an die Betreffzeile: TSCHILLER: FREE TICKET!
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel