Dennis Weber (Redakteur)
Top:

Die Comedy ist einem Versicherungsbüro im Universum der DC-Comics verankert. In dieser Realität sind Superkräfte eine Selbstverständlichkeit und zahlreiche Menschen verfügen über solche. Trotzdem gibt es auch ganz normale Menschen, die keinerlei besondere Fähigkeiten vorzuweisen haben und sich ihr Brot mit gewöhnlichen Jobs verdienen müssen. So zum Beispiel die Arbeit in einem Versicherungsbüro, das neben alltäglichen Angelegenheiten auch mit den Auswirkungen der Einsätze von Superhelden klarkommen muss und die entstandenen Schäden reguliert.
Dabei sticht vor allen Dingen Hauptdarstellerin Vanessa Hudgens («Spring Breakers») in ihrer Rolle als Emily Locke heraus. Denn diese hat große Träume und versucht ihr chaotisches Privatleben mit ihrem monotonen Job unter einen Hut zu bekommen. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Kollegen und besten Freund Teddy (Dani Pudi) der immer zu ihr hält. Pudi hat bereits in «Community» sein enormes Sitcom-Talent unter Beweis gestellt und stach dabei kontinuierlich aus einem ohnehin schon starken Cast heraus. Alan Tudyk («Firefly») mimt die Figur des Büroleiters Del, der mit seinem Job gänzlich überfordert ist und nicht gerade für sein positives Auftreten bekannt ist. Als Neuling hat er nichts Besseres zu tun, als seinen Mitarbeitern das Leben zur Hölle zur machen und sie permanent zu schikanieren.
Zu guter Letzt möchte ich noch einmal den Fokus auf die beiden Produzenten Jon Beckerman und Rob Burnett legen, die in den vergangenen fast 30 Jahren mehrfach mit Late-Night-Legende David Letterman arbeiteten und seine Shows dabei produzierten und als Autoren begleiteten.
Flop:

Das ohnehin schon sehr monotone und über weite Strecken sehr langweilige «The Blacklist» startete einst unter riesiger Aufmerksamkeit und medialer Beachtung. Die Quoten waren gut und NBC schickte sich an, ein nächstes Hitformat zu lancieren. Inzwischen ist bei der Produktion wahrlich die Luft raus, die Quoten halten sich jedoch auf einem ansehnlichen Level. Was liegt da also näher, als eine neue Figur einzuführen, Famke Janssen, und zwei Darsteller wegzuschicken, um gemeinsam ein Spin-Off zu starten.
Darüber hinaus hält sich seit zwei Jahren der Trend der Serienadaption von Spielfilmen fest und so ist es kein Zufall, dass NBC mit dieser Entwicklung fortfährt. Das jüngste Exemplar ist das Prequel «Taken», zum gleichnamigen Film. In drei Kinofilmen durfte Liam Neeson zeigen, dass auch ein Schauspieler im gehobenen Alter noch zu reichlich Action und Stunts in der Lage ist. Dabei glänzten die Filme weniger durch die Story, sondern viel mehr durch die Choreographien und one-liner, wie es sie zuletzt in den 80er-Jahren gab. Die Filme funktionierten dabei klar nach der Formel: Kopf aus und berieseln lassen. Nun kommen die Zuschauer jedoch in den Genuss zu erfahren, wie ein junger Bryan Mills seine legendären Fähigkeiten erlernte und wer ihm diese beibrachte, wodurch eines der größten Filmmysterien endlich gelöst wird.
Unter diesen Vorzeichen ist es meiner Meinung nach nicht verwunderlich, dass Netflix, Amazon, Hulu und Co sich jährlich über steigende Nutzerzahlen freuen und dass das Pay TV einen immer größeren Zuspruch erfährt. Gleichzeitig dürfen die Networks auch nicht über rückläufige Zuschauerzahlen jammern, schließlich bieten sie ihren Zuschauern nur wenig Frisches.
Sidney Schering (Redakteur):

Enttäuschend ist das Übermaß an Zeitreiseserien – sie alle klingen auf dem ersten Blick auf ihre eigene Art und Weise interessant, doch die Befürchtung liegt nahe, dass sie vom US-Publikum als neuer Boom aufgefasst werden und die später anlaufenden Serien die „Nicht noch eine!“-Schelte zu spüren bekommen. Aufgrund der beteiligten Personen erscheint «Making History» am reizvollsten (Lord & Miller haben zumindest im Kino bisher durchweg überzeugt), während ABC mit «Time After Time» bei zu kitschiger Umsetzung eine unfreiwillig komische Serie auf der Hand haben könnte.
Stefan Turiak (Redakteur):

Nichts von dem, was ich hier sehe, kommt dem auch nur ansatzweise nahe, auch wenn man sich noch sehr anstrengt, um ein paar Story-Eckpfeiler zu kopieren: Ein etwas älterer afroamerikanischer Cop und Familienvater wird mit jüngeren suizidgefährdeten Cop gepaart, der seine Frau bei einem Autounfall verloren hat (was hier so kitsch-triefend wie möglich inszeniert wird). Murtough-Darsteller Damon Wayans hatte zumindest in seinem Auftritt im unterbewerteten Action-Klassiker «Last Boy Scout» schon Erfahrung mit einem Shane Black-Drehbuch und einer Buddy-Actionkomödie, allerdings wirkt er hier völlig unterfordert. Sein Co-Star und Martin Riggs-Darsteller Clayne Crawford (einer der Nebendarsteller aus einer meiner Lieblingsserien namens «Rectify») strengt sich sichtlich an, hat aber die undankbare Aufgabe, Mel Gibson auf dem Höhepunkt seiner Karriere zu imitieren (viele von uns erinnern sich sicherlich noch gern an die Zeiten, als Gibson nur auf der Leinwand verrückt spielte). Die Action sieht wie eine schlechtere Version von allen generischen Actionfilmen aus, die man so in den letzten 10 bis 15 Jahren gesehen hat.

Bei NBC sticht dagegen «Taken» als weiteres Negativ-Beispiel der faulen „Mach aus Film eine Serie“-Methode hervor, die absolut keinen Reiz für mich hat. Vielleicht liegt mir auch noch der negative Nachgeschmack der letzten beiden «Taken»-Filme im Mund. Positiv fallen mir dagegen die Comedies «Powerless» und «The Good Place» auf, vor allem wegen ihren jeweiligen Casts: Danny Pudi, Alan Tudyk, Kristen Bell und Ted Danson sind hochtalentierte, komödiantische Darsteller. Mit Single-Cam Sitcoms hatte NBC zuletzt allerdings nie die größten Quotenerfolge, auch wenn Serien wie «Parks and Recreation» und «Community» wesentlich besser waren als Multi-Cam Sitcoms wie «The Big Bang Theory» und «Two Broke Girls» auf dem Konkurrenzsender CBS. Ein großer Wurf auf rein kommerzieller Ebene ist hier also nicht unbedingt zu erwarten. Zwar bin ich gar nicht begeistert von ABCs Absetzung von «Agent Carter», allerdings hoffe ich, dass Hayley Atwell mit «Conviction» ein dauerhafteres Zuhause beim Network finden wird. Es wäre natürlich zu wünschen, dass die entsprechende Serie auch gut wird. Aber abgesehen davon und dem Menschenrechtsdrama «When we rise», findet sich für mich kaum etwas Nennenswertes in der neuen ABC-Planung.

Ansonsten kann ich nur wenig Begeisterung für kaum eines dieser Programme aufbringen. Natürlich bleibt vieles abzuwarten und viele Shows brauchen erst einmal eine Weile, bis sie einen festen Stand finden. Es bleibt allerdings die Frage, ob die Networks diesen Serien die Zeit geben wird. In letzter Zeit schienen diese nämlich nicht sehr geduldig zu sein, wenn der Erfolg sich nicht so schnell einstellen wollte. Für Serienadaptionen von Filmen wie «Lethal Weapon», «Training Day» etc. habe allerdings nach wie vor wenig Hoffnung.
Es gibt 4 Kommentare zum Artikel
21.05.2016 06:13 Uhr 1
02.06.2016 11:01 Uhr 2
Na dann eben nicht...
03.06.2016 12:36 Uhr 3
Ich kann nicht direkt für die Kollegen sprechen, aber in der Regel soll damit ein Schwerpunkt gesetzt werden, welche Produktionen als besonders wichtig erachtet werden und damit besonders auffallen sollen und welche Produktion eher weniger wichtig sind.
19.05.2017 16:58 Uhr 4