On the first day Bob created the Zombie

Doch ist sein Werk natürlich umfassender – neben seiner Arbeit an der ebenfalls erfolgreichen Comic-Reihe «Invincible» (seit 2003) schreibt er unter anderem auch noch für Marvel an «Ultimate X-Men» und «Marvel Zombies».
A Darkness surrounds him - indeed
Mit «Outcast» setzt der Sender Cinemax nun einen Stoff um, der in Comic-Form erst seit 2014 auf dem Markt ist und in den USA bisher auf 18 Ausgaben kommt. Die Produktion der Serie begann sogar schon, bevor der erste Comic das Licht der Welt erblickte. Große Vorschusslorbeeren, die sich auch damit fortsetzten, dass Cinemax die Serie für eine zweite Staffel verlängerte, noch bevor man überhaupt etwas zu sehen bekam.

Somit ist schon nach nur 3 Minuten klar: Ja, Robert Kirkman kann durchaus noch härter als in «The Walking Dead». Ob man so etwas in letzter Konsequenz jedoch auch sehen möchte, muss erst noch geklärt werden.
I got something on my mind
Wir befinden uns in Rome, West Virginia - einer tristen und grauen Kleinstadt im Nirgendwo der USA, geprägt von heruntergekommenen Bauwerken und für uns Zuschauer treffend unterlegt mit feinstem Country. Hier lernen wir erst einmal die Crème de la Crème des Ortes kennen: Polizeichef, Feuerwehrchef und Priester gemeinsam beim Pokern. Doch unterbricht der Hilferuf der besorgten Mutter das Spiel - schade, fast hätte man die verstörende Eröffnung der Episode erfolgreich verdrängen können.

Doch macht Kyle Barnes diese eigene traumatische Kindheit unter Umständen auch zu einer Art Experten für die Probleme anderer Menschen. Beim Einkaufen mit seiner besorgten Schwester Megan erfährt er per Dorftratsch vom Schicksal des Jungen Joshua. Bei diesem versucht Reverend Anderson zeitgleich eine kleine Austreibung des Bösen - ohne allzu großen Erfolg. In einer weiteren äußerst verstörenden Szene im Halbdunkel des Austin-Hauses spielt sich der kleine Gabriel Bateman alias Joshua in seinen nächsten Rausch, bricht seiner hilflosen Mutter die Nase, schwebt über seinem Bett und befördert den Weihwasser werfenden Geistlichen quer durch den Raum. Der treibende Beat gibt der Szene den Rest. Aufwühlend wäre wohl untertrieben.
- © obs/Sky Deutschland
Titelheld Kyle Barnes, wie Robert Kirkman ihn in seinen Comics sieht.
I don't believe you're gonna run
Gesunde Vater-Tochter-Beziehungen scheinen nebenbei auch Mangelware zu sein - durch einen schweren Fehler in der Vergangenheit hat Kyle offenbar sein Umgangsrecht für seine eigene Tochter (samt Ex-Freundin) verloren. Dieser Mann hat definitiv zu viele Probleme: Zeit sich eine Beschäftigung zu suchen. Im Haus der Austins wird klar, dass Kyle auch mit Reverend Anderson eine gemeinsame Geschichte verbindet, die im Kern etwas mit der Krankheit seiner eigenen Mutter zu tun hat. Doch können die beiden Männer auch gemeinsam zunächst nichts bei Joshua ausrichten, was Kyle zu einem Abstecher zu seiner Mutter veranlasst, die ans Bett gefesselt in einem Pflegeheim dahinsiecht.
Zu einer interessanten Szene kommt es noch, als Kyle dem ehemaligen Nachbarn seiner Mutter seinen eigenen Verlust erklärt, und dieser das Erlebte in einen Kontext zum Verlust seiner Frau setzt und Hilfe anbietet. Alleine ist Kyle definitiv nicht in dieser Welt - auch wenn sein Leben sich gänzlich anders anfühlen mag.
It cannot be stopped

It's too dark in here
Der Serie gelingt mit ihrem Piloten (und soweit bereits absehbar auch mit den weiteren Episoden) ein abgründiger Seelenstriptease, der ein wenig an Chris Carters Versuche erinnert, nach dem Erfolg mit «The X-Files» noch eine Spur düsterer und härter («Millenium») sowie brutaler und verrückter («Harsh Realm») zu werden. Damals war dieser Weg jedoch ein erfolgloser.

So trägt die Produktion eine Brutalität zur Schau, die im Gegensatz zu «The Walking Dead» jeden Comic-Appeal verliert und so schmerzhaft in der Realität von häuslicher Gewalt (aus welchen Beweggründen auch immer) beheimatet ist, dass es schier unerträglich wird, die Serie mit offenen Augen zu konsumieren. Statt Splatter spielt man hier die Psycho-Karte, die im Geiste noch viel größeres Grauen erzeugt, als eine trashige Visualisierung es je könnte.
In dieser Serie gibt es sprichwörtlich keine Möglichkeit zur Flucht vor den Dämonen in uns - sie werden von Episode zu Episode schrittweise entfesselt und stellen die Fortsetzung unserer vermeintlich so zivilisierten Existenz in Frage. Ob wir diesen Weg mit Kyle Barnes und Reverend Anderson gehen wollen, muss jeder für sich selber entscheiden - und letztlich über die ganz individuelle Schmerzgrenze definieren.
Amen
Es gibt nicht wenige Gründe, «Outcast» anzutesten: Die dynamische Klangkulisse, der nervenzehrende Score, der zeitweise stark an «Hannibal» erinnert, die ausgewaschenen Farben und die elegische Kameraführung sowie die erstklassigen Schauspielleistungen (besonders von Fugit, Glenister und Bateman). Die Serie wird allein aufgrund der herausragenden Machart sicher ihr Publikum finden, zudem sorgen der Name Kirkman und die internationalen Verkäufe für eine gewisse Planungssicherheit. Wer bereit ist, den Ekel und das Grauen der Handlung unter Umständen auch mit in den Schlaf zu nehmen, für den ist ein Blick nach Rome sicherlich einen Versuch wert.
Einen Hype wie «The Walking Dead» wird sein neuer, düsterer Streich aufgrund der konsequenten Mainstreamverweigerung aber vermutlich nicht auslösen können – da müsste es diesmal schon wirklich mit dem Teufel zugehen.
«Outcast» startet im US-Fernsehen am 3. Juni 2016 auf Cinemax. Hierzulande zeigt FOX die Episoden immer Montags ab 6. Juni 2016 jeweils um 21.00 Uhr.
Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
10.07.2016 03:14 Uhr 1
Ganz großer roter Daumen runter!