Nur, weil es nicht herabwürdigend ist, muss es nicht gleich Zuckerwattenhumor sein
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Doch das größte Verbrechen dieses Films: Er ist dabei nicht einmal komisch! Was ehrlich gesagt wenig überrascht, gerade, weil er so einseitig ist. Mit einer zusätzlichen Dimension wäre er nicht so abfällig – und womöglich lustiger. Denn Komik generiert sich durch Überraschungen, durch Gewitztheit sowie clevere Einfälle. «Die Rache der Eierköpfe» hingegen haut unreflektiert immer und immer wieder in dieselbe Kerbe. Robert argumentiert derweil: „Also findest du den Film doof, weil es kein zuckriger Alle-haben-sich-lieb-Spaß ist. Siehste! Deshalb können moderne Comedys nicht mehr lustig sein, weil sie so harmlos sein müssen!“ Aber Robert irrt sich.
Ja, ich liebe Wohlfühlfilme wie «Mit besten Absichten» oder «Can a Song Save Your Life?». Jedoch liebe ich zum Beispiel auch «Hangover 2». Und der Film ist mindestens zehn Mal so bitter und derb wie «Die Rache der Eierköpfe». Allein die von Kameramann Lawrence Sher erzeugte, einem David-Fincher-Film entflohene Bildsprache lässt einen fürchten, dass man sich beim Angucken einen schlimmen Herpes holt. Und das Protagonisten-Wolfsrudel ist in diesem Film dysfunktional, oberflächlich und alles andere als wohlerzogen. Entgegen Roberts Meinung kann sich eine Komödie trauen, fies und böse zu sein. Es ist für mich überhaupt kein Problem, wenn Figuren miese Typen sind. Kino bekommt zwangsweise etwas künstlerischen Freiraum. Ich finde ja auch diverse Batman-Filme gut, will aber keineswegs, dass wirklich ein verrückter Millionär die Justiz selbst in die Hand nimmt.

Dennoch wollte ich Robert die Chance geben, «Die Rache der Eierköpfe» zu verteidigen. Was macht er denn besser als heutige Komödien? Sein einziges Argument war eine Attacke: „Dem ist es egal, ob irgendwelche Mimmis wegen dem beleidigt sind! Sowas darfst du ja heute nicht mehr, ohne dass Leute wie du rumwinseln!“ Ah, da haben wir ihn also wieder. Den „Ihr erlaubt keinen Spaß“-Joker. Seltsamer Gedanke. Nicht nur, weil er mich an die Flegel vom Schulhof erinnert, die sich so toll fanden und immer richtig wütend waren, wenn sie Ärger bekommen haben: „Was heult der dicke Benny denn so rum? Nur weil ich ihn fett genannt habe? Der Schwabbel soll mal lernen, über sich zu lachen! Ich kann doch auch über ihn lachen!“ Es ist auch ein rätselhafter Gedanke, weil er der Wirklichkeit nicht standhält.
Mehr Humor durch weniger Gemeinheiten?
Der Kassenschlager «Central Intelligence» etwa beweist bereits in seinen ersten Minuten mit Bravour, dass Comedy sehr gut ohne Mobbing oder mahnenden Zeigefinger funktioniert: Der Film eröffnet an dem Ort, an dem Millionen von Menschen bereits bis aufs Mark gedemütigt und fürs Leben geschädigt wurden. In der Schule. Ein übergewichtiger, einsamer Junge (der letztlich zu Dwayne Johnson heranwachsen soll) tanzt unter der Dusche zum En-Vogue-Klassiker „My Lovin' (You're Never Gonna Get It)“. Seine Mitschüler machen sich über ihn lustig – und ein Film von anno dazumal hätte es wahrscheinlich darauf belassen. „Er wird ja nachher sportlich, also ist klar, dass er unser Held ist. Passt schon!“

Ein minimal veränderter Kontext. Große Wirkung. Niemand verliert etwas, doch mehr Leute dürfen am Gag teilhaben. Inwiefern ist das Spaßverderberei? Schließlich kann man ja aus allem und jeden Witze formen, wenn man nur etwas mehr Gedankenarbeit in das „Wie?“ steckt, so dass keine Stigmatisierung betrieben wird.

Ähnliches geschieht in der Zotenkomödie «Mike & Dave Need Wedding Dates». Denn der Auflauf an abstrusen Hochzeitsparty-Geschehnissen umfasst einen verqueren Bruch mit einem uralten Partyfilm-Klischee: Einer der titelgebenden Brüder befindet sich in einem ewigen Wettstreit: Wer ist beruflich erfolgreicher, wer ist lustiger, wer ist cooler, wer schleppt mehr Weiber ab? So weit, so Filmalltag. Nur mit einem gewaltigen Unterschied: Besagter Kontrahent ist eine Frau. Cousine Terry, genauer gesagt. Und diese von Komikerin Alice Wetterlund mit Verve und Esprit gespielte Cousine ist meine Lieblingsfigur im ganzen Film. Sie hat einen schmierigen Charme – und wir dürfen unentwegt mit ihr lachen. Sie ist eine trotz Ruchlosigkeit positiv konnotierte und erfrischende Figur, wohingegen der hypothetische Cousin Terry Gefahr liefe, eine abgedroschene, daher lahme Figur zu sein, die einen Machospruch nach dem nächsten bringt. Womöglich würde er noch irgendwas gegen Lesben und bisexuelle Frauen sagen: „Ich fick die schon noch hetero!“ Cousine Terry dagegen sorgt dafür, Klischees abzubauen – und dennoch ist sie obendrein die Verursacherin zahlreicher abgeschmackter, frecher Gags.
So viel Variation kennt der Humor nicht, der laut Robert schützenswert ist. Womöglich liegt in dieser Feststellung die Lösung, wie sich die Freunde des weniger feindseligen Witzes endlich von ihrem Image als Spaßpolizei verabschieden können. Also, an alle Roberts da draußen: Verfickt noch eins, wir wollen nicht, dass weniger gelacht wird. Wir wollen Filme mit besseren Witzen! Und dass mehr Leute intensiver über sie lachen können, ihr Sausäcke!
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30.08.2016 12:20 Uhr 1