Filmfacts «Nebel im August»
- Regie: Kai Wessel
- Drehbuch: Holger Karsten Schmidt
- Produktion: Ulrich Limmer
- Darsteller: Ivo Pietzcker, Sebastian Koch, Fritzi Haberlandt, Henriette Confurius, Edith Kiefer, Thomas Schubert, Jule Hermann, Karl Markovics
- Musik: Martin Todsharow
- Kamera: Hagen Bogdanski
- Schnitt: Tina Freitag
- Laufzeit: 126 Minuten
- FSK: ab 12 Jahren
Süddeutschland zu Beginn der 1940er-Jahre: Der aufgeweckte, jedoch vorlaute Ernst Lossa (Ivo Pietzcker) wird von seinem Kinderheim als „schwer erziehbar“ diagnostiziert und einer Nervenheilanstalt überwiesen. Dort soll dem 13-jährigen Halbwaisen, der als Sohn eines fahrenden Händlers aufgewachsen ist, seine rebellische Ader ausgetrieben werden. In der von Dr. Veithausen (Sebastian Koch) mit eiserner Hand geleiteten Klinik finden sich Menschen jeden Schlags, die nicht der Vorstellung einer makellosen Herrenrasse entsprechen, die das NS-Regime propagiert. Wie der hellwache, aber unangepasste Ernst nach und nach bemerkt, werden dort regelmäßig Insassen ermordet. Das vermeintliche Pflegepersonal begründet dies hinter verschlossenen Toren damit, dass nur so das Volk gereinigt werden kann. Ernst plant gemeinsam mit der Mitpatientin Nandl, seiner ersten Liebe (Jule Hermann), die Flucht – begibt sich damit jedoch in große Gefahr …
Schon früh kristallisiert sich Hauptdarsteller Ivo Pietzcker als Glanzlicht dieses kargen Dramas heraus: Der Jungdarsteller agiert gänzlich ohne die für viele Mimen seines Alters typische Verkrampftheit und erhält schon in der Auftaktsequenz die Gelegenheit, scheinbar mühelos seine Rolle des Ernst Lossa als störrischen Pubertierenden darzustellen: Ernst ist frech, vorlaut und schlagfertig, hat aber die Sympathien auf der Seite, weil er mit seiner rotzigen Attitüde gegen die gestrengen, empathielosen Gefolgsleuten des NS-Regimes rebelliert.
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- © Studiocanal
Während das Zusammenspiel Hermanns und Pietzckers zwar eine charmante Unschuld ausstrahlt, jedoch nie solche Funken versprüht, dass sie die Ausführlichkeit ihrer romantischen Ausflüge rechtfertigen würde, gefällt Pietzckers Interaktion mit Fritzi Haberland umso mehr: Haberland gibt mit gebeutelter, erschöpfter Haltung eine Krankenschwester, die das sinnlose Morden nicht weiter hinnehmen kann, jedoch nicht weiß, wie sie dagegen vorgehen sollte. Mit Ernst schließt Haberlands Figur der katholischen Sophia ohne explizite Absprachen einen Pakt – sie bemühen sich, unauffällig und im Kleinen Sand ins Getriebe der Euthanasiemaschine zu streuen.
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Fazit: «Nebel im August» ist dank seines guten Hauptdarstellers und respektvollen Umgangs mit dem erschütternden zentralen Thema trotz dramaturgischen Leerlaufs ein passables Historiendrama.
«Nebel im August» ist ab dem 29. September 2016 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.
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