Die Sony-Komödie unter den Filmen des Marvel Cinematic Universe

Zahlreiche Komödien aus dem Hause Sony kommen mittlerweile ein Stückchen schneller und verrückter als ihre Genrekollegen daher, verankern ihren mit selbstironischen Meta-Witzlein bespickten Irrsinn aber durch Figuren, die unter ihren Macken auch etwas sehr Authentisches ausstrahlen. Und in einer behutsamen, aber deutlichen Dosis macht «Spider-Man: Homecoming» dies nun mit dem Marvel-Filmuniversum – es ist der am stärksten auf Komik gebürstete Teil der bisherigen Filmreihe und vom Schlusskampf abgesehen auch einer der temporeichsten. Spider-Mans energiereiches Herumstolpern durch Pubertäts- und Heldenwerdungsprobleme adressiert liebevoll einige Genreklischees und Peter Parkers Mitschüler sprechen in einem lakonisch-ironischen Tonfall über die Avengers und Co. – alternativ ließe sich «Spider-Man: Homecoming» also auch als das Superheldenpendant zu «Scream» bezeichnen, der in den 90ern zu gleichen Teilen persiflierende Hommage und jugendlich-frischer Horrorfilm war.
Die Metaspielereien hebeln nie die innere Logik der Filmreihe aus oder stehen den dramatischeren Storypassagen im Weg – sie stärken sogar die Charakterzeichnung des Schurken. Von Michael Keaton als strebsamer, einfacher Mann der Arbeiterklasse gespielt, der in die Kriminalität abgerutscht ist und nun nicht mehr so ganz weiß, wie eng er seinen Moralkodex noch nehmen soll, gehört er darstellerisch zu den interessanteren Fieslingen der Marvel-Reihe. Trotzdem greift wieder einmal das wiederkehrende Problem: Marvel gönnt den Antagonisten (meistens) zu wenig Zeit im Rampenlicht, um sich zu rundum faszinierenden Gestalten zu entfalten.
Der Vulture funktioniert aber zudem auf einer Metaebene und gewinnt so an Dimension: Er lässt sich auch als Parabel auf das vergangene (und eventuell noch immer nicht endgültig abgelegte) Wettrüsten zwischen Sony und den Marvel Studios lesen. Er karikiert durch seine Aasgeiermentalität, mit der er «Avengers»-Schutt ausschlachtet, wie Sony aus seiner kleinen Marvel-Lizenz unbedingt ein Franchise von der Größe des "Marvel Cinematic Universe" aufbauen will.

Komponist Michael Giacchino webt passenderweise wiederholt einige der wenigen eingängigen, etablierten Marvel-Musikstücke in seinen effektiven Score ein, der mit seiner jugendlichen Leichtigkeit definitiv aus dem bisherigen «Avengers»-Gesamtwerk heraussticht – selbst wenn unter den neuen Stücken die dramatischeren und actionreicheren Kompositionen schneller beliebig werden als die komödiantischen und locker-flockigen. Während musikalisch also der "Wann kehren wir in diese Ecke des Marvel-Universums zurück?"-Faktor also noch immer ausbaufähig bleibt, machen die gut aufgelegten Nebendarsteller (darunter Teeniestar Zendaya als sarkastische Außenseiterin und Marisa Tomei als Peter Parkers quirlige Ziehtante) sehr wohl Lust auf mehr.
Fazit
So geht es also auf Schulen im «Avengers»-Kosmos zu: «Spider-Man: Homecoming» ist eine teeniemäßig-locker-schmissige Ergänzung des "Marvel Cinematic Universe", die mit Ironie, Wortwitz und Charme punktet, während die Action weniger spektakulär auffällt.
«Spider-Man: Homecoming» ist ab dem 13. Juli 2017 in vielen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und mäßigem 3D.
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